Gesunde Alternative: Grünkohlchips statt Supermarkt-Kartoffelchips!

Für echte Fans der angewandten Kulinarik gehört es ja zum Bildungsprogramm, über den eigenen Tellerrand zu schauen, und das Internet erleichtert das natürlich noch erheblich, denn: Welten von Rezepten erwarten uns dort draußen, Welten! Rezeptesammler und Foodblogger aus aller Herren und Damen Länder geben Einblicke in ihre Küchen oder stellen ihre Lieblings-Kochbücher vor, und jede, die auch nur mal das genaue Rezept eines fast vergessenen Standardgerichtes aus Mutterns Repertoire im Internet gesucht hat, weiß danach, dass sie in den Rezeptportalen mit mindestens dreißig Variationen des gesuchten Rezeptes zu tun bekommt. Welches von denen am meisten nach „Mutterns Original“ schmeckt, muss sie dann selber herausfinden. Wirklich, was für eine Entwicklung im Vergleich zu meiner eigenen Kindheit und Jugend! In der haben wir von den exotischen Speisen anderer Länder ja nur durch die damals sehr spärlich vorhandenen Fernsehköche erfahren, oder wenn sich der erste „Italiener“, „Grieche“ oder – Gipfel der Exotik! – „Chinese“ in Restaurantform vor Ort ansiedelte. Ja, so war das damals, kaum zu glauben!

Jedenfalls, ich genieße es ja sehr, heutzutage per Internet in die verschiedensten Küchen schauen zu können und mich inspirieren zu lassen, zumindest theoretisch. Und gerade in dieser Zeit, so zwischen Winter und Frühling, wenn der Garten noch nicht und die Völlerei der Vorweihnachtszeit nicht mehr lockt, halte ich besonders gern nach neuen Trends in gesundem Essen Ausschau. Kann sein, dass das mit dem winterlich kneifenden Hosenbund zusammenhängt, auf jeden Fall: „gesund“ hat gerade wieder doppelte Anziehungskraft. Und daher schaue ich natürlich auch gern mal bei den Vegetarier- und Veganerblogs vorbei, die es ja inzwischen zuhauf gibt, um mich über die neuesten Gemüsetrends zu informieren. Der Star dieses Jahres, das definitive „Must eat“ sozusagen, heißt: Kale. Englisch ausgesprochen, vermute ich, also „Kejl“, denn sowohl britische als auch amerikanische Foodblogs sind sich hier völlig einig. Für mich war es ein völlig unbekanntes Wort, Kale, nie gehört, nie gelesen, muss wohl eine völlig exotische, vielleicht in einem Stück Resturwald vor kurzem erst entdeckte Pflanze sein? Die Liste ihrer gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe ist jedenfalls eindrucksvoll: allein zwei verschiedene Betacarotine, Vitamine B,C,E und K, Folsäure, Calzium, Magnesium, Eisen, dazu noch Inhaltstoffe, die im Ruf stehen, die Reparatur von Körperzellen zu fördern und Krebszellen zu blocken, und andere, die cholesterinsenkend und fettaufnahmehemmend wirken sollen.

Ich muss gestehen, ich war so beeindruckt, dass ich gar nicht auf die Idee kam, „Kale“ durch ein schnödes Übersetzungsprogramm zu schicken oder auf den lateinischen Namen zu schauen, wie es eine aktive Gärtnerin eigentlich automatisch tun würde. Nachdem seltsame Worte wie „Tofu“, „Seitan“ oder „Sushi“ in den allgemeinen Sprachgebrauch eingewandert sind, kann „Kale“ ja eigentlich auch nur von sonstwoher kommen, oder?

Und so kam es, dass ich eine gerade mir als Norddeutscher aus ganz anderen Zusammenhängen wohlvertraute Gemüsepflanze über diesen Umweg auf ganz neue Weise kennenlernte. Bei der geheimnisvollen „Kale“ handelt es sich nämlich um – Grünkohl! Genauer gesagt ist unsere Friesenpalme eine von mehreren dieser Blattkohlarten, die im Englischen alle „Kale“ genannt und in weiten Teilen der Welt geschätzt und gegessen werden. Und gerade bei den Vegetariern und Veganern natürlich nicht stundenlang mit Kasseler, Schweinebacke und Bregenwurst vor sich hin garen, sondern auf tausendundeine pfiffige und inhaltsstofferhaltende Weise zubereitet werden. Was dann für so eine Norddeutsche wie mich wirklich eine andere und quasi exotische Welt ist. Gleich bleibt nur, dass Kale Frost abbekommen haben muss, um richtig aromatisch zu schmecken, also entweder auf dem Feld oder im Eisfach. Die anglo-amerikanischen Kalefans schwören aber auf die Zubereitung im Dämpfer oder auch das Pfannenrühren, oder bereiten Salate damit zu. Es gibt unfassbar viele Rezepte mit Kale – der Name ist übrigens schottisch -, so dass ich Ihnen nur raten kann, die Suchmaschine des Vertrauens und die eigenen Englischkenntnisse zu bemühen, um sich von der Vielfalt der Zubereitungsarten und Gerichte mit dem „guten alten Grünkohl“ inspirieren zu lassen.

Aber natürlich habe ich hier auch eins, und zwar das, auf das ALLE schwören: gebackene Grünkohlchips! Die Zubereitung ist sehr einfach, ich habe sie auf einem Video gesehen und gleich verstanden. Besonders faszinierend in dem Video: die Grünkohlblätter wurden mit der SCHERE von den Stielen geschnitten! Da staunt die Norddeutsche, die das traditionell ohne Werkzeug von Hand erledigt: Zeigefinger und Daumen kräftig mit den Spitzen zusammendrücken und mit diesem Werkzeug vom Stielende bis zur Spitze die Blätter „abstrippen“. Wir sind eben nicht so fürs Filigrane.

Jedenfalls, so geht’s:

Ofen auf 150 Grad Celsius vorheizen,
Grünkohl(Menge nach Belieben) waschen, trocknen und entstielen,
Blattwerk in grobe Stücke teilen, dicke Rippen entfernen,
Blattstücke in einer Schüssel mit Olivenöl benetzen und mit etwas Salz bestreuen,
in einzelner Schicht aufs Backblech legen
und in den Ofen schieben.

Manche backen die Chips nur so lange, bis die Blattspitzen braun werden, andere für volle zwanzig Minuten. Aber alle sind begeistert, selbst diejenigen unter den Bloggern, die dem Grünkohl wegen seines Kohlgeschmacks – der beim Backen völlig verschwindet – doch nicht so viel abgewinnen können. Und sie essen die Chips statt der Supermarkt-Kartoffelchips vor dem Fernseher… was dann auf jeden Fall auch sehr gesund ist.

Sie können natürlich auch ihre eigenen Lieblings-Gewürze oder  -Gewürzmischungen einbringen und damit experimentieren, fühlen Sie sich frei! Etwaigen Gästen dürfen Sie dann auch gern erzählen, dass das „Kale“ ist, der neueste Trend der internationalen Vegetarier Küche.
Guten Appetit!