Heute, liebe Leserinnen und Leser, schreibe ich hier gewissermaßen gesenkten Hauptes, hatte ich in meinem vorigen Beitrag doch vollmundig DAS indische Geheimrezept zur Bekämpfung frischer Erkältungen versprochen – und Versprechungen sollten ja eigentlich auch gehalten werden, nicht wahr? Ach, wenn das nur immer so einfach wäre…

Jedenfalls war ich mir ja völlig sicher gewesen, dass ich das Rezept für Brahmashtra, diesen alle mißliebigen Erkältungsbazillen und -Viren auf einen Schlag aus dem Körper vertreibenden exotischen Trunk, das ich vor Jahren von meiner Herzensfreundin diktiert bekommen hatte, sorgfältig aufgeschrieben hätte. In einem Buch sogar, dabei bin ich ja sonst eher die Zetteltante.

Kennen Sie das auch?

Man stößt auf etwas, ein Rezept, eine Idee, einen Geheimtipp, das, die oder den man unbedingt notieren muss, und greift schnell zum nächstliegenden Stück Papier? So geht es mir ja ständig, und entsprechend flattern in meinem Umfeld die Blätter umher; ein bisschen wirkt das wohl wie ein dauernder Herbst, besonders, seit meine Nachbarin mir voriges Jahr einen quadratischen Zettelblock schenkte – mit bunten Zetteln, gelb, rot und orange.
Seitdem fällt auf meinen Schreibtisch und um ihn herum regelmäßig quadratisches Laub, das ich natürlich nicht zusammenfegen und auf den Kompost verfrachten kann, sondern gelegentlich aufsammle, durchsehe und bei nächster Gelegenheit in das jeweilig passende Notizbuch zu übertragen mir vornehme. Die Schätze müssen ja sortiert werden, damit man beim Suchen überhaupt eine Chance hat!

Das Problem hat sich übrigens mit dem Internet sehr verschlimmert.

Wissen Sie, was für unendliche Rezeptmengen sich im Netz finden? Dabei hätte ich wohl schon bis an mein seliges Ende damit zu tun, auch nur die aus meinem Lieblings-Foodblog, dem Kleinen Kuriositätenladen, auszuprobieren. (Aus dem habe ich ja das Bagels-Rezept, das Sie in diesem Blog finden können, wenn Sie wollen.) Und es ist ja nicht so, als würden die tollen Rezepte warten, bis man sie sucht, oh nein! Vorige Woche wollte ich eigentlich etwas ganz Anderes im Internet nachschauen, kam aus Versehen auf meine Facebookseite und fand gleich zwei wunderbare Rezepte darin gepostet. Unübersehbar gepostet, weil nämlich mit Fotos. Tollen Fotos! Das eine war ein Karottenbrot, das ich demnächst auch unbedingt machen muss, das andere – eine Gemeinheit, wenn man spätabends vor dem Rechner sitzt – drehte sich um Schokoladenmuffins mit Karamelkern. Das sind dann die Momente, in denen ich auf die Bilder starre und still auf meine Tastatur sabbere. Kochbücher lassen sich in solchen Fällen ja zuklappen, und man kann sicher sein, dass das Rezept auch am nächsten Tag noch vorhanden sein wird… aber weil das mit dem Internet nicht ganz so sicher ist, greife ich dann eben zu einem meiner bunten Zettel und schreibe mir das Ganze auf.  Auch, weil diese Tätigkeit mich vom Starren und Sabbern ablenkt, das gebe ich ja zu.

Bei dem Brahmashtra-Rezept war das aber eben nicht so,

das hatte ich vor Jahren zwar auf einem Zettel von einem Besuch bei meiner Herzensfreundin mitgebracht, aber es  sofort in ein Buch geschrieben, ich schwöre! Und ich war sicher gewesen, dass ich das auf jeden Fall und ohne Probleme jederzeit wiederfinden würde. Weil es ja in einem Buch stand. Aber in welchem bloß? Wahrscheinlich in einem meiner Tagebücher, dachte ich, auf der Innenseite des Umschlags, ja, ich sah es geradezu vor meinem inneren Auge. Nur: vor dem äußeren Auge tauchte da nichts dergleichen auf, als ich die Tagebücher der betreffenden Jetzt-ja-auch-schon-einige – Jahre durchforstete. Nada.

Nun hätte ich die Herzensfreundin ja anrufen und bitten können, mir das Rezept am Telefon zu diktieren, aber sie ist so eine Art Jetsetterin und selten zuhaus, und aus dem Stand aus dem Kopf wüsste sie es wahrscheinlich auch nicht. Abgesehen davon hätte ich mich ein bisschen gefühlt, als würde ich wegen der 100- Euro-Frage den Publikumsjoker brauchen, Sie wissen, was ich meine…

Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und die Erkältungszeit fängt ja gerade erst an. Und außerdem habe ich noch einen Erkältungstee sozusagen im Ärmel, den ich in diesen Tagen literweise trinke und der auch meinen hiesigen Mitmenschen sehr gut schmeckt. Ich mische ihn gleich in der Thermoskanne und schleppe ihn überallhin mit, gerade an trüben, feuchten Herbsttagen.

Hier – als Wiedergutmachung gewissermaßen – mein Rezept:

10 bis 12 Blätter (oder entsprechende Menge kleingeschnittenen) Salbei mit kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten im Topf ziehen lassen. Inzwischen ein Stück Ingwer von ca. 1-2 Zentimetern schälen, in Scheiben schneiden und in die Kanne werfen.

Dazu kommen 100 ml Zitronensaft – frisch pressen ist nicht nötig, ich nehme echten Zitronensaft aus der Flasche (also nicht das Zeug aus dem wie eine Zitrone geformten Plastikfläschchen, das ist nur zum Aromatisieren) – und ein Esslöffel Honig. Das heißt: mindestens einer.

Auf diese Mischung wird der Salbeitee, durch ein Teesieb oder Teenetz geseiht, damit die Blätter draußen bleiben, in die Kanne gegossen. Deckel drauf, etwas ziehen lassen (in der Thermoskanne passiert das quasi von selbst, während man unterwegs ist) und mit Genuss trinken.

Salbei ist ja ein wunderbares und altbekanntes Hausmittel gerade gegen Weh in Hals und Rachen, wo sich beginnende Erkältungen gern bemerkbar machen. Vielen ist er pur vom Geschmack her zu bitter und „medizinisch“, aber in der Kombination mit Ingwer, Zitrone und Honig (der ja auch antibiotisch wirkt) schmeckt man ihn nicht mehr heraus. Das Ergebnis ist ein harmonisches Ganzes, das nicht nur den Körper, sondern auch die Seele von innen wärmt.

Finde ich jedenfalls – probieren Sie es ruhig aus!