Mit einem Rezept aus der veganen Trickkiste.

Das kommt davon, wenn man, wie ich in meinem vorigen Beitrag, den September und den mit ihm einziehenden Herbst erwähnt: schwupps, schon ist er da. Und die Gärtnerin, die gerade gestern noch im Garten Pläne für jetzt gerade ganz wichtige Arbeiten gemacht und dabei Himbeeren direkt von den Sträuchern genascht hat, sitzt heute frustriert am Rechner, schaut nebenbei dem Regen vor dem Fenster zu und spürt eine Erkältung heraufziehen. Da werde ich mir doch zum Trost einen Zucchinikuchen backen müssen – können Sie ja auch, jetzt, wo Sie mein Rezept hier im Blog finden. Und ach ja, a propos Zucchini: die haben zur Zeit auch gerade eine kleine Pause eingelegt und werfen ihre Früchte längst nicht so hemmungslos aus wie noch vor kurzem. Zum Glück habe ich aber einige bereits gehortet, so dass zumindest für den Kuchen noch genügend in der Küche parat liegen.

Aber ich möchte Sie ja mit diesem Beitrag nicht schon vorzeitig melancholisch stimmen! Lassen Sie mich deshalb einen kleinen Rückblick auf die schönen Sommertage in meiner Gartenkolonie zelebrieren, ja? Es ist nämlich noch gar nicht so lange her, dass meine Gartennachbarn und ich eine Art Spontanritual entwickelt haben, und zwar für die Sonntage. Sonntags haben wir ja alle Zeit und Muße, uns in unseren Gärten herumzutreiben und uns zumindest vorzunehmen, all das zu schaffen, was über die Woche aus verschiedenen Gründen nicht getan werden konnte. Ein kleines Problem liegt aber darin, dass unsere Schaffensmoral dann doch mit der sonntäglichen Entspannungslust kollidiert… gerade wenn wir zu mehreren Gärtnern und Gärtnerinnen sind. Da kommt es unweigerlich zu Schwätzchen über den Zaun oder gleich Besuchen im Nachbargarten, und ehe man sich´s versieht, bilden wir einen Haufen. Und in diesem Haufen hat immer jemand Hunger, und ebenso hat immer jemand etwas zu essen mit. Gartenarbeit – wenn man sie macht – strengt ja an, verbrennt Kalorien und macht hungrig, da will man nicht mit knurrendem Magen auf dem Acker stehen oder Unfertiges liegen lassen, um nach Haus zu eilen, also nimmt man zumindest einen Snack mit. Und vielleicht ein Thermoskännchen Tee. Jedenfalls, so begab es sich, dass ich vor ein paar Wochen am Samstagnachmittag eine Zucchiniquiche machte – Zucchinischwemme, Sie ahnen es -, die für mich allein viel zu groß war und von der ich hoffte, mit der anderen Hälfte jemand Hungrigen in der Kolonie mitspeisen zu können. Treffer! In meinen Garten kam ich gar nicht erst, denn zwei Gärten vorher hatten sich schon drei meiner Lieblingsnachbarn versammelt. Und eine von ihnen klagte hörbar über Hunger. Ich zückte also meine Frischhaltedose mit den Stücken der Quiche – und war aus dem Stand die Heldin des Tages. Wir breiteten eine Decke auf dem Rasen aus, die anderen holten zusammen, was an Ess- oder Trinkbarem noch in Tasche, Rucksack oder Hütte zu finden war, und dann teilten wir gut gartennachbarlich und schmausten und quatschten nach Herzenslust.

Fazit: „Das machen wir jetzt jeden Sonntag!“

Am vorigen Sonntag erwischte uns dabei ein Regenschauer, gerade als wir beim nun offiziell rituellen Decke-Ausbreiten waren. Zum Glück kein Problem, denn wir hatten uns bei Claude getroffen, und deren Garten ist mit einem wundervollen Pavillon bestückt. Achteckig und regenfest, und zu allen Seiten mit Fenstern versehen. Sehr gemütlich! Dahin zogen wir also in Windeseile um, als plötzlich von Gartennachbarin Barbara der Ruf an ihren Gefährten Mirko erscholl: „Bringst du bitte das vegane Mett mit?“

Veganes Mett?

Waas? Veganes Mett?? Davon hatte ich ja trotz meiner Zuneigung zu veganen WGs noch nie gehört! Da musste ich ja auf der Stelle herausfinden, was das wohl sein könnte! Das habe ich auch, und muss sagen: es ist die obskurste Zusammenstellung an Brotaufstrich, die mir bisher begegnet ist, aber es schmeckt tatsächlich lecker, besonders auf Vollkornbrötchen. Habe ich Sie neugierig gemacht? Dann folgt hier das Rezept, das wirklich simpel ist. So simpel, dass ich die Mengenangaben weglasse, sondern einfach nur verrate, was drin ist:

Man nehme: Tomaten. Entweder ganz einfach stückige Tomaten aus der Dose, gut abgetropft, oder man macht sich die Arbeit und häutet und entkernt Tomaten vom Strauch, die man dann in kleine Stücke schneidet. Dann zerbröselt man zwei, drei (je nach Tomatenmenge, nicht zu viele) Reiswaffeln, die man mit den Tomaten mischt und eine Weile durchziehen lässt, bis die Reiswaffelbrösel angeweicht sind. Dazu kommt noch eine in feine Stückchen geschnittene Zwiebel, die gut untergemengt wird. Großzügig pfeffern und salzen, noch mal etwas einziehen lassen – fertig. Kann übrigens mit Zwiebelstückchen umlegt und mit Petersilie großzügig garniert auch auf Drinnenparties serviert werden!

Der große Witz ist, dass es im ersten Moment (und auch noch im zweiten) tatsächlich überraschend nach Mett schmeckt. Und natürlich auch in etwa so aussieht, wobei die Reiswaffelbrösel überzeugende Pseudo-Fettstückchen abgeben. Aber auch wenn die Zunge erkannt hat, dass sie sich ein bisschen hat in die Irre führen lassen – das vegane Mett bleibt erstaunlich lecker. Und erfüllt damit wirklich alle Bedingungen von „Gesund genießen“. Prädikat: sehr empfehlenswert!

Mit dieser Erinnerung hat sich meine Herbstlaune ja schon wieder erheblich verbessert; bei meiner Erkältung bin ich mir da noch nicht ganz so sicher… aber sollte sie tatsächlich ausbrechen, habe ich wenigstens schon mal die Idee für das Rezept, das ich Ihnen beim nächsten Mal vorstellen kann: ein altes, sehr effektives indisches Erkältungsbekämpfungsmittel namens Brahmashtra. Sie dürfen gespannt sein!