„Tante Ute, Tante Ute!“ Hach, das sind Rufe, bei denen mir das Tantenherz aufgeht… meine Nichte ist jetzt sieben, ein stolzes Schulkind, mein Neffe fünf, und weil beide mit Schule, Kindergarten, Hort und Wochenendaktivitäten mit Eltern quasi immer  ausgebucht sind, sehen wir uns nicht so oft. Aber was wir uns nicht nehmen lassen, ist das gemeinsame Keksebacken vor Weihnachten. Haben wir letztes Jahr das erste Mal gemacht und beschlossen, dass wir das jetzt jedes Jahr tun, un-be-dingt! Mein Bruder und meine Schwägerin waren schon im vorigen Jahr so wagemutig, mich mit den beiden Kindern in ihrer Küche allein zu lassen, mit Verweis auf das Telefon für Notfälle – und da keine größeren und vor allem keine bleibenden Schäden an Technik und Mobiliar zu verzeichnen waren, bekamen wir auch dieses Jahr wieder die Lizenz zum Backen.

Kekse backen, das heißt für Kinder natürlich immer auch Kekse ausstechen und Kekse verzieren, und dafür braucht es Ausstechformen. Davon gibt es ja inzwischen unfassbar viele, und es kommen immer neue hinzu. Ich habe schon vor Jahren eine Sammlung angelegt, als ich noch mit meinen eigenen, jetzt erwachsenen, Söhnen dem vorweihnachtlichen Backwahn huldigte, und diese kommt jetzt mit Neffen und Nichte zu neuen Ehren. Mond und Sterne und Kometen, Herzen und Tannenbäume in verschiedenen Größen, Elche, Fledermäuse, Katzen und andere Tiere, Hände und Füße, Eiskristalle, Schafe, Schweine… alle sorgfältig geputzt und mit Färbefarben, allerlei Flitterzeug zum Draufkleben und sicherheitshalber zwei zusätzlichen Packungen Puderzucker zusammen in einen Leinenbeutel gepackt – es kann losgehen!

Als Stargast des Events werde ich von meiner Schwägerin mit dem Auto abgeholt, und dieses Jahr kamen auch die Kinder gleich mit, die hatten nämlich gehört, dass ich einen Kater habe. Also ein Tier, ein echtes lebendiges, und das wollten sie natürlich sehen. Im vorigen Jahr hatte meine Schwägerin mich allein abgeholt und den Kindern den Kater auch wohlweislich verschwiegen, der damals gerade ganz neu eingezogen und noch scheu war und so einen Kinderüberfall wohl nervlich nicht so gut verkraftet hätte. Dieses Mal aber war er ganz der souveräne Mitbewohner, und nachdem er sich zunächst von hinter dem Kleiderschrank davon überzeugt hatte, dass keine Gefahr drohte, kam er heraus, ließ sich streicheln und genoss die ausgelöste Begeisterung. Er hatte danach ja seine Ruhe…

Ich dagegen weniger. Meine Nichte und mein Neffe sind wunderbar lebhafte Kinder und echte Plaudertaschen, und wenn man Tante Ute ein ganzes Jahr nicht gesehen hat, gibt es jede Menge zu erzählen. Gleichzeitig. In Stereo. Mit zwei völlig verschiedenen Texten. Ja, Stargast zu sein ist nicht immer einfach… Meine Schwägerin nutzt, kaum dass wir angekommen sind, die Gelegenheit, weist mich kurz in die Küchennutzung ein und verschwindet; mein Bruder hat das schon vorher getan. Wenn ich etwas nicht weiß, das weiß ich noch vom Vorjahr, kann ich meine Nichte fragen, die kennt sich bestens aus, sogar mit Ofen und Herd und Waage. Respekt! Beide Kinder haben sich schon die Schürzen angezogen, die ich ihnen voriges Jahr mitgebracht habe, eine mit Pferden für die Nichte, eine mit Autos für den Neffen. Ganz gemäß ihrer Interessengebiete. Und schon kann es losgehen – als erstes mantschen wir den Ausstechteig. Der ist einfach:

300 Gramm Mehl
75 Gramm Zucker
1/2 Teelöffel Hirschhornsalz
200 Gramm Butter
1 Eigelb

Mehl, Zucker und Hirschhornsalz werden in eine Schüssel gegeben, die Butter in Stücken hineingehackt, Eigelb dazu, und dann mantschen und kneten, bis alles eine homogene Masse ist.

Der Teig muss eine Stunde im Kühlschrank ruhen, bis er verarbeitbar ist, daher habe ich auch immer ein zweites Rezept dabei, mit dem sich die Wartezeit überbrücken lässt. Diesmal eins für gekochte Kekse:

2 Tassen Zucker
4 Esslöffel Kakao
200 Gramm Butter
1/2 Tasse Milch
werden zusammen aufgekocht und sollen eine Minute kochen, dann kommen
1 Tasse Erdnussbutter
1 Esslöffel Vanille oder 1 Packung Vanillezucker
und 3 Tassen feine Haferflocken
dazu. Das Ganze rührt man zusammen, setzt davon Häufchen auf Backpapier und lässt die in Ruhe abkühlen.

Weil mich beide Kinder zugleich von zwei verschiedenen Seiten zehntausend Sachen fragen, vergesse ich ganz, dass die ersten Zutaten erst aufgekocht werden müssen, und schmeiße gleich alles zusammen. Ob das auch fest wird? Egal, es werden Häufchen auf Teller gesetzt und die Teller draußen vor die Terrassentür gestellt, und nach mir die Sintflut. Nichte ist sowieso begeistert, sie liebt Haferflocken, Neffe probiert schon mal und findet es lecker. Und als wir fertig sind mit dem Häufchenmachen, ist auch der Ausstechteig soweit.

Nichte und Neffe bekommen zwei Holzbretter, auf denen wird jeweils eine Portion Teig ausgerollt, und es kann losgestochen werden. Tante hilft dann beim Abziehen des überstehenden Teigs und löst die ausgestochenen Figuren mit dem Messer ab, um sie aufs Backblech zu transferieren. Zehn Minuten dauert es, bis die Kekse durchgebacken sind, und Nichte achtet darauf, dass sie nicht zu braun werden. Tante könnte eigentlich schon den Zuckerguss in verschiedenen Farben anrühren, denkt aber natürlich nicht daran, sondern diskutiert mit Neffen darüber, dass die Mini-Gummibären auf die Kekse sollen und nicht gleich aus der Tüte in seinen Mund.
Das Zuckergussfärben kommt dann später, und Nichte weiß auch, welche Farben gemischt werden können und was sie ergeben. Was sich auch ergibt, ist eine Debatte darüber, ob es sinnvoll ist, die Farben gleich zu mischen oder nur einen Teil davon, so dass man außer orange auch noch gelb und rot hat, nicht nur orange. Derweil streicht Neffe schon mal etwas Rot auf die Stuhllehne. Ist zum Glück abwaschbar.

Ich muss es gestehen: die Ausstechkekse haben die Kinder ganz alleine verziert, während die Tante sich geschafft an ihrem Kaffeebecher festhielt, aber das Ergebnis ist großartig. Richtig hübsch. Und Neffe und Nichte zu Recht hochzufrieden. Klar machen wir das nächstes Jahr wieder!