Wenn wie dieses Jahr der Winter, wie man ihn kennt – also mit Schnee und Eis – fehlt, fällt es ja immer ein bisschen schwer, den Frühling für angefangen zu erklären. Das liegt einerseits daran, dass es so gar keinen spürbaren, klaren Übergang gibt: es muss keine Schneedecke tauen, um den Blick aufs Grüne freizugeben, und die Temperaturen bewegen sich da, wo sie sich zumindest in Norddeutschland auch im mutmaßlichen Winter befunden haben, nämlich knapp oberhalb der Null-Grad-Grenze. Und andererseits daran, dass man dem Ganzen nicht traut und damit rechnet, dass das doch noch irgendwie kommt mit Schnee und Eis undsoweiter. Mit „man“ meine ich hauptsächlich mich, aber vielleicht geht es Ihnen ähnlich?

Dieses Dilemma spiegelt sich bei meinen Freundinnen und mir auch in den Ernährungsbefindlichkeiten wider. Einerseits werden die Tage ja zumindest schon wieder erkennbar länger, auch wenn sie das im selben Temperaturbereich tun, in dem die kurzen lagen. Was die Sehnsucht nach dem Ausstieg aus der Winterschwarte von Tag zu Tag akuter werden lässt, andererseits fehlen zur entsprechenden Motivation aber noch ein paar Plusgrade und etwas mehr Sonne, zumindest mir. Meinen Freundinnen scheint es aber ähnlich zu gehen, wir reden zwar schon über mögliche Frühjahrskuren, aber bislang hat noch keine von uns konkret mit einer angefangen. Immerhin, man kann schon in den Garten und die eine oder andere Vorbereitung treffen, das hilft dann doch ein bisschen, in Schwung zu kommen… aber so richtig das GO in den Frühling gibt es bei uns noch nicht. Da sind wir zu anderen Zeiten doch viel besser aus dem Quark gekommen!

Hinzu kommt natürlich auch, dass jetzt in der Übergangsphase zwar die Lust auf Frühlingsgemüse und zartes Grün erwacht, aber das Frühlingsgemüse selbst noch nicht, jedenfalls kein hiesiges. Zeit, den Sprossenkeimer wieder zu aktivieren und im Laden oder im Internet auf die Suche nach noch nicht probierten Sprossenarten zu gehen! (Falls man das nicht schon den Winter über zelebriert hat – ich hab´s nicht, gebe ich beschämt zu.) Und nachdem ich ja gerade erst die Nährstoffdichte und die alternativen Verwendungsmöglichkeiten unseres altbekannten Grünkohls schätzen gelernt hatte, ist dessen Saison auch schon fast wieder vorbei. Dafür lagert im Keller noch einiges an Wurzelgemüsen, das „weg muss“, um Platz für Neues zu schaffen, aber ach, was mach´ ich nur damit? Was lässt sich damit zubereiten, das nicht unbedingt nach Winter schmeckt, sondern sich quasi assoziationsfrei wegfuttern lässt? So ähnlich wie die Grünkohlchips?

Tatsächlich, einer der grassierenden Trends der Gemüseküche insgesamt folgt genau diesem Prinzip: „Mach´ einen Snack draus!“ So kann man auch Kindern wunderbar das Gemüseessen schmackhaft und ihnen – hoffentlich! – das Futtern ganzer Tüten von industriell gefertigten, in zweifelhaften Fetten fritierten und mit enormem Salzgehalt gewürzten Kartoffel- und Teigprodukten von vornherein madig machen. Und hey, ist es nicht auch für uns toll, mit gutem Gewissen herzhafte, knusprige Snacks in Mengen zwischen unseren Zähnen krachen lassen zu können und dabei innerlich grinsend zu denken „Ich esse gesundes GEMÜSE!“?

Also, das ist mein Rezept für die Übergangszeit zwischen Winter und Frühling – oder für trübe Tage im ganzen Jahr! Leicht zu machen, geht immer und hat einen netten Wohlfühleffekt. Mit selbstgemachten frischen Dips lässt sich die Wertigkeit des Essens übrigens noch steigern.

GEMÜSECHIPS

Sie können diese Chips aus allen Wurzel- bzw. Erdgemüsen machen, z.B. Rote Bete, Pastinaken, Möhren, Süßkartoffeln, Topinambur oder , klar, normale Kartoffeln. Für eine bunte Mischung nehmen Sie ca. 200 Gramm pro Sorte. Ferner braucht es ein gutes hocherhitzbares Öl, wie Soja- oder Erdnussöl, und Meersalz. Das Gemüse wird kräftig unter fließendem Wasser abgebürstet. (Weniger rustikal veranlagte Gemüter können es natürlich auch schälen) und mittels Küchenmaschine oder Küchenhobel in dünne Scheiben gehobelt. (Letzteres kann ruhig als „Sport“ gewertet werden!)

Legen Sie dann zwei Backbleche mit Küchenkrepp aus, füllen Sie eine große unbeschichtete Pfanne mit hohem Rand ca 3 cm hoch mit Öl und lassen Sie das Öl heiß werden, tupfen Sie die Gemüsescheiben mit Küchenkrepp ab, um Restfeuchtigkeit aufzunehmen geben Sie die Gemüsescheiben portionsweise ins Öl, fischen sie nach 1 – 3 Minuten mit der Siebkelle wieder heraus und schütten Sie sie auf die mit Küchenkrepp ausgelegten Bleche. Bestreuen Sie sie mit Meersalz – und passen Sie auf, dass Sie auch noch welche abkriegen!

Ein paar leckere Rezepte für leckere Dips habe ich natürlich auch noch in petto, aber die serviere ich Ihnen dann beim nächsten Mal.