Na, haben Sie in der Zwischenzeit schon den Grill angeworfen, liebe Lesenden? Bei uns im Norden hat es ja das richtige Grillwetter noch nicht so gegeben. Zuerst monatelang höchstens 15 Grad mit jeder Menge kaltem Wind, dann gleich hoch auf bis 37 Grad; da hätte es gereicht, das Grillgut einfach auf eine x-beliebige Kühlerhaube zu legen, um es gar zu bekommen, für Gemüse allemal. Auf einen Praxistest habe ich aber dann doch lieber verzichtet – schon der Ölspuren wegen. Auch wenn es sich um Olivenöl gehandelt hätte.

Aber um das Wetter soll es ja in diesem Beitrag auch gar nicht gehen, sondern um sättigende Beilagen zum gesunden Gemüsegrillen. Bei der ersten, die ich Ihnen nahebringen möchte, handelt es sich sogar um eine, die auch zu ungemütlichem Wetter gut passt und notfalls auch im Backofen gegart werden kann, wenn es draußen stürmt und regnet. Weil sie nicht nur satt macht, sondern geschmacklich auch die Seele streichelt, läuft sie bei mir unter „Soul Food“, also Futter, das auch in Krisenzeiten als psychisches Stärkungsmittel fungieren kann. Der Star in diesem Rezept ist eine Knolle, die, ursprünglich aus Südamerika, rund um die Welt gekannt und geschätzt wird, bei uns aber eher noch ein Nischendasein führt und erst allmählich in den Speisezettel integriert wird: Die Süßkartoffel, auch Batate oder Knollenwinde genannt.

Anders als „unsere“ altbekannte Kartoffel ist die Süßkartoffel gar keine, nämlich kein Nachtschattengewächs, sondern die Knolle einer Windenart. Auch deren Blätter sind essbar und werden in den Ländern, in denen sie ernährungsmäßig eine Hauptrolle spielt, wie Spinat zubereitet. Die ganze Pflanze hat eine unschlagbar hohe Nährstoffdichte inklusive jeder Menge Folsäure, und verdient schon deshalb einen besseren Platz auf unseren Speiseplänen, und anders als unsere Kartoffel macht sie sich auch als Rohkost sehr gut. Gegart schmeckt sie sanft, mehlig und leicht süßlich. Mit dem folgenden Rezept können Sie, wenn Sie Süßkartoffel noch nicht kennen, ausprobieren, wie sie Ihnen schmeckt:

Sie brauchen für 4 Personen

1 Schalotte
1 Knoblauchzehe
5 grüne Kardamomkapseln
30 Gramm frischen Ingwer
200 Gramm Butter
1 Teelöffel Meersalz
8 mittelgroße Süßkartoffeln
1 Bund Koriander
Frisch gemahlenen Pfeffer

Schalotte und Knoblauch werden abgezogen und fein gewürfelt, der Kardamom gemörsert, der Ingwer geschält und ebenfalls fein gewürfelt, dann alles zusammen mit der Butter in einen Topf gegeben. Die Mischung lassen Sie auf kleiner Flamme schmelzen, bis die Butter leicht gebräunt ist. Salz hinzugeben, die Butter durch ein Sieb abgießen und fest werden lassen. (Die Würzbutter bereiten Sie also am besten schon tagsüber vor, dann können Sie dem Grillevent ohne Hektik entgegensehen.)

Die Süßkartoffeln werden in Alufolie gewickelt und im aufgeheizten Grill direkt in der Glut gegart, am besten noch etwas Glut darauf gehäufelt, umso schneller und besser garen sie durch. Das dauert ca. 20 Minuten. Dann holen Sie sie mittels Zange heraus, schneiden Sie auf, geben ein Stück der Würzbutter hinein und vermischen die schmelzende Butter mit dem Süßkartoffelfleisch zu einer Art Püree. Gehackte Korianderblätter und Pfeffer drauf – fertig. Ich sag´s ja: Soul Food! Und bei richtig schlechtem Wetter oder in Herbst und Winter dann eben im Backofen.

Wegen der Butter (die ich in diesem Rezept für unersetzlich halte, aber es steht Ihnen frei, das anders zu sehen) ist diese Zubereitung „nur“ vegetarisch, nicht vegan. Aber für den Fall, dass Veganer mitverköstigt werden sollen, habe ich in meiner Rezeptkiste die vegane Abwandlung eines 70-er-Jahre-Nudelsalates, die superschnell zu machen ist und in meinem Umfeld immer auf Begeisterung stößt:

Nudelsalat chinesisch

Sie brauchen
400 Gramm Gabelspaghetti
2-3 dünne Stangen Porree
2 Zwiebeln

6 Esslöffel Öl
4 Esslöffel Sojasoße („Shoyu“, japanische)
4 Esslöffel Weinessig
4 Esslöffel Zitronensaft
1 Teelöffel Zucker
1 Teelöffel China-Gewürzmischung

Aus den unteren Zutaten rühren Sie eine Marinade. In die kommen dann die gekochten Gabelspaghetti, die in feine Ringe geschnittenen Porreestangen (auch die grüne Seite, solange sie feine Ringel ergibt!) und die halbierte und quer ebenfalls fein geschnittenen Zwiebeln. Das Ganze mindestens zwei Stunden im Kühlschrank ziehen lassen. Frisch, pikant und „voll vegan“!

So, und nun hoffe ich für uns auf Wetter, bei dem wir grillen können – und nicht gegrillt werden!

Guten Appetit!