Kaum dass die Feiertage bewältigt sind, meldet sich der Ernst des Lebens wieder, und im Januar bedeutet das meistens auch den Ernst des Winterwetters. Was ja manchmal auch schön sein kann, unbestritten, nämlich wenn frischer Schnee zuhauf gefallen ist und die Wintersonne draufscheint… aber häufiger gibt es dann doch die andere Variante mit düsterem Himmel, vereisendem Schneematsch, feuchtkalter Luft und eisigem Wind. Und als ob das nicht schon für schlechte Laune ausreichen sollte, finden sich auch im Briefkasten statt der hübschen Grußkarten und kleinen Aufmerksamkeiten von Verwandten und Freunden nur mehr Behördenbriefe und Jahresrechnungen. Es ist unter solchen Umständen nie leicht, sich an ein neues Jahr zu gewöhnen, da kann man noch so oft „Frohes Neues!“ wünschen oder gewünscht kriegen. Zeit also für ein bisschen Seelenfutter!

Weil wir aber meistens den Dezember und uns selbst mit allerlei Hochkalorischem, Reichhaltigem und Zuckrigem vollgestopft haben, die Kleidung an allen Enden zwackt und die guten Vorsätze fürs neue Jahr zumeist auch die äußere Form und die innere Gesundheit betreffen, sollte das Seelenfutter am Jahresanfang ebenfalls ein gesundes sein, und vor allem ein leichtes. Wunderbar, wenn es zugleich auch noch wärmt – und was täte das besser als Suppe?

Aah, Suppe! Man kann sie löffeln oder schlürfen, es gibt unzählige Varianten aus aller Herren Länder in fast ebenso vielen Geschmacksrichtungen, und es lassen sich immer jede Menge gesunder Komponenten darin unterbringen. Eine gute Suppe ist wie eine Umarmung von innen, und Umarmung, die brauchen wir im Januar ganz besonders, wenn der Lebensernst uns wieder kalt und ungebremst um die Ohren weht. Und mein absoluter Favorit gerade in dieser Zeit ist jene Suppe, die in vielen Ländern als das beste Hausmittel gegen Erkältungen, Hals-und Herzweh und sonstige Maleschen anerkannt ist: Hühnersuppe! Nein, die fertige in Dosen oder Gläsern ist jetzt nicht gemeint. Hühnersuppe kocht man am besten selbst, wenn man irgendwie Zeit dafür erübrigen kann, zumindest die Brühe. Und gerne etwas mehr, denn die lässt sich auch gut im Backofen einkochen, wie ich aus meinem Lieblingsblog „Der Kleine Kuriositätenladen“ weiß. So hat man einmal die Arbeit, aber dann auch gleich ein paar mehr Gläser voll der Zauberbrühe, die dann da ist, wenn man sie braucht, und sich nach Wunsch mit Zutaten anreichern lässt. Außerdem kann man während der Zubereitung die Wärme von Herd und Küche genießen und produziert dabei noch Sinnvolles! Eine perfekte Januarbeschäftigung.

Das Rezept, das ich Ihnen hier vorstelle, stammt übrigens aus New York, aus dem „New York Cookbook“, aber die Grundrezepte aller Länder unterscheiden sich eh nur marginal. Wichtig: es braucht ein „möglichst altes und fettes Huhn“ für den vollen Geschmack. Das ist in unseren Zeiten schwierig, deshalb bitte kein armes Supermarkt-Käfighuhn kaufen (die sind weder das eine noch das andere), sondern eins vom vertrauenswürdigen Frischgeflügelhändler, am besten Bio, auf jeden Fall Freiland. Denn: je gesünder das Huhn, desto gesünder – und schmackhafter – die Suppe! Und gut zwei Kilo sollte es wiegen.

Meine Großmutter legte das Huhn (aus dem eigenen Hühnerstall damals noch) immer im Ganzen in den Topf, bei unserem Rezept wird es geviertelt. Dazu kommen noch vier Hühnerflügel, die noch einmal extra Geschmack abgeben, und

1 Knoblauchzehe, geschält und zerdrückt
1 Zwiebel, geschält
2 Möhren, geschält und in 2,5 cm große Stücke geschnitten
2 Selleriestangen, ebenfalls in Stücke geschnitten
1/2 Bund frische Petersilie, gewaschen und zusammengebunden
1 Lorbeerblatt
1 1/2 Teelöffel Salz
1/2 Teelöffel schwarze Pfefferkörner

Wir brauchen einen Topf, in den zuerst 4-5 Liter KALTES Wasser gefüllt werden, dazu kommen dann die Hühnerteile und die restlichen Zutaten. Einmal langsam aufkochen, dann bei reduzierter Temperatur vier Stunden köcheln lassen, dabei öfter den Schaum abschöpfen.

Wenn Sie nur die Brühe brauchen, um sie auf Vorrat in Gläsern einzukochen und für weitere Rezepte zu verwenden, seihen Sie die einfach ab. (Wie man die Brühe einkocht, verrate ich gleich.) Sollten Sie aber jetzt gleich Appetit auf eine echte New Yorker Hühnersuppe haben, sieben Sie die Suppe durch, holen Lorbeerblatt, Pfefferkörner und Petersilie heraus, enthäuten und entbeinen das Huhn, geben die Brühe und das Fleisch zusammen mit Möhren, Sellerie und Knoblauch zurück in den Topf und schmecken mit Salz und Pfeffer noch einmal ab. Serviert wird die Hühnersuppe dann mit Suppennudeln oder Reis. (Die Stifterin des Rezepts, Mrs. Marie Stacey, schwor übrigens, dass der heilende Effekt der Hühnersuppe sich erst dann entfalte, wenn man das Gemüse im Teller zerdrückt.)

Zum Einkochen der Hühnerbrühe „solo“ reinigen Sie ein paar Twist-Off-Gläser und sterilisieren die bei 150 Grad Celsius 15 Minuten im Backofen; die Deckel und der Trichter fürs Befüllen werden separat in Wasser auf dem Herd ausgekocht. Die Brühe lassen Sie fünf Minuten sprudelnd kochen.

Dann füllen Sie die heiße Brühe in die Gläser – oben Luft lassen, nicht ganz vollfüllen! – und verschließen die sofort fest. Der Backofen wird auf 180 Grad Unterhitze (!!) aufgeheizt, die Fettpfanne auf der untersten Ebene eingehängt und zwei Zentimeter hoch mit kochendem Wasser befüllt. Dann die Gläser dort hineingestellt, und zwar so, dass sie einander nicht berühren, sondern noch Luft zwischen sich haben. 45 Minuten kochen, dann herausnehmen.

Laut Steph, der Chefin des Kleinen Kuriositätenladens, hält sich die Brühe so eingekocht ein Jahr mindestens. Natürlich nur, wenn sie nicht vorher verbraucht wird ;-).

Also, das ist mein Rezept gegen den Januarblues und für einen gesunden, wohligen Jahresanfang. Ein gutes 2016 wünsche ich Ihnen! Und für die Vegetarier: Für Sie habe ich beim nächsten Mal spezielle Suppenrezepte, versprochen.