Utes Rezept für das vielleicht nicht gesündeste, aber leckerste Brötchen mit Loch.

Erinnern Sie sich noch? Im vorigen Text hatte ich hier das Keimen von Saatsprossen vorgestellt, diese wunderbar natürliche und günstige Möglichkeit gesunder Ernährung, das „Best of Pflanzenstoff“, sozusagen. Und ich hatte Ihnen fürs nächste Mal Rezepte versprochen, nicht wahr? Auf jeden Fall zunächst schon mal eins, nämlich den Hauptbestandteil meines liebsten Sprossen-Sonntagsfrühstücks: den Bagel.

Bagels, ursprünglich „Bejgl“, wurden von osteuropäisch-jüdischen Einwanderern in die USA mitgebracht und erlebten dort, im Land des bestecklosen Essens, einen ungeahnten Siegeszug, der sie inzwischen auch in deutsche Bäckereien brachte. Sicher haben auch Sie schon diese handtellergroßen runden Gebäckstücke mit dem charakteristischen Loch in der Mitte gesehen, die wie Brötchen quer aufgeschnitten und mit allerlei Belag gefüllt werden? Ja, ich gestehe, wenn man unter „gesund“ hauptsächlich Vollkorngebäck versteht, gehören Bagels nicht in die Kategorie – aber ich bin ja hier auch für Genuss zuständig, nicht wahr? Und ein wirklicher Genuss sind selbstgebackene(!) Bagels allemal. Abgesehen davon halten sie lange satt – und zufrieden, was ja auch ein wichtiger Genussfaktor ist. Ein Frühstück mit Bagel puffert die Seele für den Rest des Tages, glauben Sie mir, ich habe es oft genug erlebt!

Aber genug der Rede, kommen wir zum Rezept. Das habe ich von einem wunderbaren Foodblog, dem „Kleinen Kuriositätenladen“, den ich jedem Menschen, der sich fürs Kochen und Backen und Selbermachen interessiert, wärmstens ans Herz legen möchte. Das Rezept selber habe ich in meiner eigenen Backpraxis etwas modifiziert, und da ich inzwischen fast jede Woche Bagels backe (die sich wunderbar einfrieren lassen, übrigens, und nach dem Aufbacken wie frisch gemacht schmecken), ist es auch durch und durch praktisch getestet, da dürfen Sie mir vertrauen.

Man braucht dazu:

  • 1 Päckchen Trockenhefe, die in 350 ml warmem Wasser aufgelöst wird.
  • 400 g helles Mehl, ich nehme Weizen- oder Dinkelmehl, Type 550,
  • 200 g Weizenvollkornmehl
  • 13 g Salz (ich bin zu faul zum Wiegen und nehme einen dreiviertel vollen Esslöffel)
  • 3 Esslöffel gutes Rapsöl
  • 2 Esslöffel Honig

Das Mehl und das Salz werden in einer Schüssel trocken verrührt, dann kommen Honig, Rapsöl und das Wasser mit der aufgelösten Hefe dazu. Mit den Knethaken des Mixers oder der Küchenmaschine wird der Teig verknetet; wenn alles halbwegs durchmischt ist, stelle ich die Maschine beiseite und knete mit den Händen, dann wird es noch gleichmäßiger. Danach wird der Teig abgedeckt für mindestens eine Stunde an einen warmen Ort gestellt, bis er gut (auf das doppelte Volumen) aufgegangen ist. Es macht ihm übrigens auch nichts aus, wenn man ihn zwischenzeitlich völlig vergisst, das weiß ich aus Erfahrung… nachdem er mir nach fünf Stunden „siedendheiß“ wieder eingefallen war.

Also, wann auch immer: Holen Sie den Teig aus der Schüssel und kneten Sie ihn noch einmal so richtig durch – eine bemehlte Arbeitsfläche empfiehlt sich, wenn der Teig noch etwas klebrig ist. In dem Fall sollte auch noch etwas Mehl untergeknetet werden, damit die Teigringe die Form halten können. Teilen Sie den Teig in acht ungefähr gleich große Portionen, die Sie rund formen. Dann bohren Sie mit einem Kochlöffelstiel ein Loch in die Mitte und lassen den Teigling ein paar Runden drumherum rotieren, um das Loch zu weiten. Formen Sie gern noch mit den Händen nach, falls der Teigling eine Unwucht bekommt; das passiert, ist aber nicht schlimm.

Nun wird in einem größeren Topf Wasser auf ca. 80 Grad Celsius erhitzt; das Wasser darf nur dampfen, aber auf keinen Fall „blubbern“. Bagels-Teiglinge hineinlegen – die Temperatur ist genau richtig, wenn sie erst absinken, dann gleich wieder hochsteigen – und eine bis zwei Minuten ziehen lassen, mit einmaligem Wenden in der Halbzeit.

(Übrigens: ich weiß, es liest sich etwas kompliziert, mir ging es auch so, aber in der Praxis ist es wirklich viel leichter als auf dem Papier!)

Holen Sie die Bagels mit der Kelle heraus, lassen sie etwas trocknen, bestreichen Sie sie mit Eiweiß und bestreuen sie nach Geschmack mit Sesam, Mohn, Kleie, Leinsamen, Sonnenblumenkernen… und dann ab in den Ofen mit den Köstlichkeiten! 15 bis 20 Minuten bei 200 Grad, bis sie oben goldbraun sind. Wenn Sie zum ersten Mal Bagels gebacken haben, sollten Sie den ersten unbedingt probieren, sobald er halbwegs auf Esstemperatur heruntergekühlt ist, schon zur Belohnung! Den Rest lassen Sie weiter abkühlen, packen ihn in Gefriertüten und legen ihn auf Eis, oder zum baldigen Gebrauch in den Kühlschrank. Am besten schmecken sie aufgebacken, zehn Minuten bei 180 Grad, für ein perfektes Sonntagsfrühstück. Bei mir mit Frischkäse und einem Berg selbstgekeimter Alfalfasprossen obendrauf, eine essbare Oase für Leib und Seele…

Guten Appetit!