Ach ja, ach ja, der Herbst ist da. Die Sonne scheint gleich um einige Grade weniger warm als noch kurz zuvor, die Abende brechen nicht nur ungnädig früh herein, sondern auch merklich kühler. Das sollte eine ja nicht wundern, ist ja der Lauf der Zeit, der Jahreszeit, und damit „same procedure as every year“. Nur dass für uns Menschenkinder anders als für Sonne, Mond und Jahreszeiten eben nicht „every year“ ist, sondern jedes einzelne für jeden unterschiedlich und ganz persönlich seine Eigen- und Besonderheiten hat, oder hatte. Gesellschaftlich schaut man eher an Silvester auf das Jahr zurück, aber wir leidenschaftlichen Gärtner sind da anders getaktet. Bei uns ist das Ende des Jahres zumindest gefühlt das Ende des Gartenjahres: Wenn der größte Teil der Ernte eingebracht ist, die Beete mit dem Sommergemüse großenteils schon abgeräumt, und nur noch die Herbst- und Winterpflanzen wie Kürbisse und Kohl die Stellung halten, inmitten der vorzeitig vom Baum geworfenen angefaulten Äpfel, die abzuräumen den Großteil der Aktivitäten dieser Wochen ausmacht. Nicht dass damit dann auch die Arbeit insgesamt beendet wäre, o nein! Aber es geht schon um die Arbeit fürs nächste Jahr, dieses ist sozusagen gelaufen, daran ändern auch die Wintergemüse nicht wirklich etwas. Die erinnern höchstens daran, dass es zum Gemüse auch den Winter geben wird, die dunkle Jahreszeit, und dass sie praktisch schon um die Ecke biegt.

Es ist also auch jedes Jahr, mal mehr, mal weniger, eine etwas melancholische Zeit, und zwar alle Jahre wieder. Zum Glück habe ich in meinem Garten gewissermaßen einen Trost, der mir erst dieses Jahr so richtig zu Bewusstsein kam: bei mir wachsen nämlich Himbeeren, und zwar eine sehr späte Sorte, die erst im September reife Früchte bietet. Ich hatte vor inzwischen schon einigen Jahren die ersten drei Pflanzen von einem Gartenfreund geschenkt bekommen, sie eingesetzt und mehr oder weniger vergessen. Inzwischen haben sie sich – Himbeeren machen das so – ganz ungebremst vermehrt und besetzen ein eigenes Beet… und so ziemlich jedes Stück ansatzfreier Fläche drumherum. Ich hatte mich mal dazu belesen, wann und wie man sie schneidet und was es sonst noch zu wissen gibt, aber das auch wieder vergessen. Die Himbeeren hat das nicht geschert, die haben sich fröhlich ausgemehrt… und jetzt, wo unter den Beeren ansonsten nur noch die herbe Aronia mit Früchten protzt, baumeln sie mit ihren zarten, küsschenweichen Früchten vor meiner Nase und lassen sich willig vernaschen.

Da musste ich dann auch gleich wieder zurückdenken an den Anfang dieses Gartenjahres, als die Nacktschnecken alles marodierten, was an Gesätem aus dem Boden keimte, und mein Schmerz darüber nur durch die Tatsache gestillt wurde, dass meine Erdbeeren in diesem Jahr besonders früh – nämlich schon Anfang Juni – reif zum Verzehr waren. Das war mir ein Trost, ebenso wie jetzt die späten Himbeeren mir ein Trost im Jahresabschiedsblues sind: eine Art süßer roter Beeren für den Anfang des Gartenjahrs, eine fürs Ende. Und darum nenne ich für mich die Himbeeren, passend zu den Erdbeeren: Himmelbeeren. So im Sinn von „Was mit der Erde anfing, hört mit dem Himmel auf.“ Das ist poetisch und philosophisch, darüber lässt sich gut nachsinnen, während man den Apfelmatsch vom Feld kratzt.

Mit den Himbeeren halte ich es deshalb auch wie mit den Erdbeeren: ich sammle sie nicht, sondern esse sie gleich von dort, wo sie gewachsen sind. Pur, Küsschen für Küsschen. Daher darf man mich auch bei beiden Früchten nicht nach Rezepten fragen – soweit kommt es gar nicht erst, dass ich welche bräuchte! Mein Rezept diesmal ist vielmehr inspiriert von der Unmenge matschiger Äpfel, die ich immer noch täglich einsammeln und in den hinteren Ecken des Gartens „verklappen“ muss: Apfelbutter heißt es und ist ein in Großbritannien und den USA wohlbekannter Brotaufstrich aus eingekochtem Apfelpüree, das gern auch mit weihnachtlichen Gewürzen angereichert wird.

Weil dessen Herstellung eine längere Kochzeit erfordert, lassen sich damit ungemütliche Herbsttage wunderbar herumbringen. Und wenn Sie die Apfelbutter in den -vorher bei 150 Grad im Backofen sterilisierten!- Gläsern richtig einkochen, dann hält sie auch lange, solange sie verschlossen bleibt: Dazu stellen Sie die befüllten und fest verschlossenen Gläser (nicht zu dicht, die Gläser dürfen einander nicht berühren!) in eine 2 cm hoch mit Wasser befüllte Fettpfanne, schieben die in die unterste Leiste des Backofens, der mit 180 Grad Unterhitze vorgeheizt ist, und lassen sie 45 Minuten kochen. Nicht auf diese Weise eingekocht müssen die Gläser auch VOR dem Öffnen im Kühlschrank gelagert werden (und nach dem Öffnen zügig aufgebraucht, was aber kein Problem darstellen wird…).

Für das Rezept brauchen Sie 1500 g Äpfel, gut gewaschen und geviertelt, aber nicht geschält und nicht entkernt. Dazu entweder 100 ml Apfelessig und 400 ml Wasser ODER 500 ml Cider als Flüssigkeit. Äpfel und Flüssiges zusammen kochen Sie in einem hohen und möglichst schweren Topf ca. 30 Minuten, bis die Äpfel weich sind. Dann passieren Sie diese mittels Holzlöffel durch ein feines Küchensieb.

Das so entstandene Püree wird mit 300 g braunem Zucker, dem Saft einer Limette, einer Zitrone und einer halben Orange, einer Zimtstange oder 1/2 Teelöffel Zimt, 1/2 Tl Muskatnuss und einer Sternanisblüte, einer Messerspitze gemahlene Nelke oder Piment verrührt. Alle Gewürze sind optional, sollten Sie oder Ihre Lieben etwas davon nicht mögen, lassen Sie es einfach weg. Wenn Sie Ingwer mögen, können Sie auch gern welchen hinzufügen, das wäre dann ca. 5 cm frische Ingwerwurzel, gerieben.

Das angereicherte Püree füllen Sie wieder in den zwischenzeitlich ausgewaschenen Topf, lassen es auf kleiner Flamme ca. 2 1/2 Stunden simmern (Vorsicht vor den höllisch heißen Spritzern, daher sollte der Topf hoch sein!) und rühren ab und zu um, damit nichts anbrennt. Noch heiß in die Gläser füllen, bei Twist Off-Gläsern fünf Minuten auf den Kopf stellen, für das richtige Haltbarmachen siehe oben.

Damit sind Sie dann auf jeden Fall für den weiteren Herbst und den  kommenden Winter schon mal bestens gerüstet.

Guten Appetit!