Also, Zucchini sind ja sozusagen die Magen-Darm-Grippe unter den Gemüsen: wenn man sie hat, dann im Überfluss!

Also, Zucchini sind ja sozusagen die Magen-Darm-Grippe unter den Gemüsen: wenn man sie hat, dann im Überfluss! Unter dem malerischen Blattwerk entwickeln sich hinter den großen leuchtendgelben Blüten – die man übrigens auch essen kann, was mir aber vor lauter Gucken und Schönfinden nie rechtzeitig einfällt – walzenförmige Früchte, in grün, gelb, gestreift oder weißlich, je nach Sorte. Und zwar gleich mehrere zugleich, oder zumindest unglaublich schnell hintereinander. Nun ist es so, dass das Geschmackserlebnis bei der Zucchini sowieso nicht ganz auf einer Ebene mit ihrer Wüchsigkeit ist, und dass zu groß gewordene Zucchini – so ab Schuhgröße 46 – an Geschmack und Textur erheblich einbüßen, und das bedeutet: pflück die Zucchini, solange sie klein sind! Oder eben mittelgroß, also bis Schuhgröße 40. Aber Vorsicht! Zucchini wachsen irre schnell, was eben noch ein zartes kleines Wälzchen war, kann sich innerhalb von zwei Tagen zu einer ordentlichen Größe und innerhalb von fünf, sechs zu einem Koloss entwickeln, der dann wie ein etwas eigenartig geformtes Dinosaurierei mitten im Blattwerk ruht. Ein ungeliebtes, denn haben will solche übersehenen Giganten niemand.

Zucchini sind, zumindest in Kleingartenkolonien und Umgebung während der Saison, auch generell eine Art Inflationswährung, denn es gibt immer mehr, die sie loswerden, als solche, die sie haben wollen. Dieses Verhältnis – und damit auch das der Gärtnerin zu ihren überproduzierten Feldfrüchten – hat sich inzwischen ein wenig gebessert; das liegt an den veganen studentischen Wohngemeinschaften, die, ha ha, wie Zucchini in meinen Sozialzonen hervorsprießen, und die nicht nur für solche Spenden offen und dankbar sind, sondern jene oft auch erstaunlich gut zu verwerten wissen, auch mittels Gewürzkombinationen aus aller Welt, zum Beispiel.

Überhaupt finde ich, dass der Einzug der veganen Küche aus der finstersten Nische an den gutbeleuchteten Rand des kulinarischen Bewusstseins viele neue spannende Facetten der gesunden und wohlschmeckenden Ernährung mit sich gebracht hat, von denen ich mich gern inspirieren lasse,  auch wenn ich selbst zur Veganerin einfach nicht geschaffen bin. Nie könnte ich von meinen geliebten Milchprodukten lassen! Ohne Joghurt? Ohne mich!

Die Zucchinischwemme wird noch bis in den späten September anhalten. Bis dahin besteht der Speiseplan also aus Ratatouille, Zucchinipuffern, Zucchinibratlingen, Zucchini-Tomaten-Quiche, Zucchini-Kartoffel-Auflauf, süßsauren Zucchini als Antipasti, gefüllten überbackenen Zucchini, und wenn ich es schaffen sollte, versuche ich mich an einem Zucchini-Chutney. Ich habe nämlich dieses Jahr fünf Pflanzen – FÜNF! – geschenkt bekommen, und wenn man weiß, dass eine bis zwei eine Familie für Monate mit Früchten versorgen, kann man hochrechnen ;-). Ein Hoch auf vegane Studenten-WGs, kann ich nur sagen! Es bleibt trotzdem noch mehr als genug für mich – im Moment liegen sechs Zucchini in verschiedenen Größen auf meinem Küchentisch und warten darauf, verarbeitet zu werden. Und ich weiß jetzt schon, dass unter den Blättern im Garten allein heute mindestens vier weitere lungern werden. Darum entschuldigen Sie mich, ich muss die abpflücken, bevor sie Zeppelingröße erreichen!

Aber natürlich lasse ich Sie jetzt nicht ohne ein Rezept aus dem Text, was denken Sie denn von mir? Es ist die Form, in der ich Zucchini am liebsten mag: im Kuchen. Die Zucchini machen den Rührteig ungemein saftig und sorgen dafür, dass sich der Kuchen lange hält und mit jedem Tag besser schmeckt… und weil hier nicht der Geschmack der Zucchini wichtig ist, sondern nur ihr Feuchtigkeitsgehalt, lassen sich auch zu groß gewordene Früchte wunderbar in dem Kuchen verklappen. Macht man halt gleich ein paar mehr  – und verschenkt sie. Wobei, aufpassen: der Kuchen enthält Eier, ist also nix für vegane Wohngemeinschaften. Wenn Sie die beglücken wollen, nehmen Sie Ei-Ersatz. Lustigerweise heißt der Kuchen.

ZUCCHINIBROT

Sie mischen:

  • 2 Tassen Mehl
  • 3 EL Zimt (wirklich, kein Verschreiber!)
  • 1 TL Salz
  • 2 TL Backpulver
  • 3 EL Kakao

in einer Schüssel.

In einer anderen verrühren Sie:

  • 3 geschlagene Eier
  • 1 Tasse weißen und
  • 1 Tasse braunen Zucker
  • 3/4 Tasse Pflanzenöl
  • 3 EL Vanillezucker und
  • 2 Tassen GERIEBENE ZUCCHINI

Den flüssigen Mix in den trockenen kippen, dann mit dem Rührgerät mixen. Nach Wunsch und Geschmack dürfen gern noch 1/2 Tasse Rosinen und/oder gemahlene Nüsse hinzugefügt werden.

Legen Sie eine Kastenform mit Backpapier aus und füllen Sie den Teig hinein. Gebacken wird der Kuchen ca. 60 Minuten bei 170 Grad; sollte die Oberfläche zu schnell zu braun werden, bedecken Sie sie mit einem Stück Alufolie. Stäbchenprobe nicht vergessen! Die Garzeit kann je nach Ofen ziemlich variieren. (Aber der Kuchen schmeckt auch mit Klitsch…)

Also: wer die Zucchinischwemme durchgehalten hat, darf sich ab September, wenn es dem Herbst zu geht, mit diesem Kuchen dafür belohnen! Guten Appetit!