Da schlendere ich am Samstagmittag vom Wochenmarkt ganz entspannt  durch die Fußgängerzone, als plötzlich in der Menge der Shoppenden ein Werbestand auftaucht. An sich ja gar nicht so ungewöhnlich, denn dort bauen sich des öfteren solche Stände auf, die nichts verkaufen, aber auf eine gute Sache aufmerksam machen wollen. Was man ja auch am besten dort und dann macht, wenn und wo viele Menschen mit Zeit und grundsätzlichem Interesse unterwegs sind, Touristen wie Einheimische. Das Besondere aber war das, was mich durch das Glas einer kleinen Vitrine hindurch geradezu anlachte: Schnittchen mit Mett. Mit veganem Mett! (Das kennen Sie ja noch aus meinem „Abschied vom Sommer“-Text hier, vom vorigen Jahr. Erinnern Sie sich, liebe Lesende? Wenn nicht, gern noch einmal nachschauen…) An dem Stand wurde nämlich über die vegane Ernährungsweise informiert, mit den veganen Mettschnittchen als Appetizer. Und sie hatten sich wirklich Mühe gegeben, sie auch maximal mettartig aussehen zu lassen, ich war beeindruckt. Zu wirken schien es auch, um den Stand hatten sich diverse Neugierige versammelt, die sich angeregt mit den Standbetreuern austauschten.

Ich wäre ja gern näher getreten, aber mir fiel siedendheiß ein, dass ich ja gerade meinen Sonntagsbraten im Rucksack mit mir herumschleppte, und das fand ich dann etwas unangemessen. Was ja eigentlich Blödsinn ist, denn die Standveganer-Zielgruppe waren ja wohl keine anderen Veganer, sondern Fleischesser wie ich – aber das fiel mir erst am Ende der Fußgängerzone ein. Schade eigentlich! Ich hätte ja gern den Gesprächen gelauscht, und vielleicht hätte ich auch eine Rezeptbroschüre abstauben können?

Ja, sich grundsätzlich mit dem Fleischverzehr auseinanderzusetzen und Alternativen kennenzulernen liegt definitiv im Trend, das ist überall zu merken. Und es hat natürlich auch stark mit dem Thema Gesundheit zu tun, gerade in Anbetracht der exzessiven Massentierhaltung und der damit verbundenen Skandale. Was nützt es zum Beispiel, wenn Mensch sich nur im äußersten Notfall Antibiotika vom Arzt verschreiben lässt, aber mit der Nahrung unbewusst raue Mengen davon zu sich nimmt, wie ja erst vor relativ kurzer Zeit bekannt wurde? Das kann einem schon den Appetit verderben oder zumindest dazu führen, dass man genauer überlegt, woher man, wenn, dann sein Fleisch bezieht, und unter welchen Bedingungen das Tier, das es mal war, aufgezogen wurde.

(Und a propos Gesundheit: zwei Leute aus meinem erweiterten Freundeskreis haben vor Jahren aus ganz konkreten gesundheitlichen Gründen begonnen, sich vegan zu ernähren. Beide leiden an chronischen Entzündungen, einer im Darm, einer im Bewegungsapparat, und beide versichern überzeugend, dass die Entzündungen zwar weiterhin da sind, aber die Schübe, wenn sie kommen, weit weniger stark und schmerzhaft als vorher. Das fand ich dann doch bemerkenswert…)

Sogar mein Sohn und seine Freunde, die als Halbwüchsige noch nach der Maxime „Jede Mahlzeit ist verdorben, ist dafür kein Tier gestorben“ ihren Appetit auslebten, kochen und essen jetzt immer öfter vegetarisch. Können Sie sich die Verblüffung einer Mutter vorstellen, die nach Jahren des Kotelett- und Keulen-Zubereitungsbedarfs aus dem Mund ihres Sprösslings auf einmal das Wort „Sojageschnetzeltes“ hört? Ich bin ja nur froh, dass er meinen Gesichtsausdruck in dem Moment nicht mit dem Smartphone aufgenommen und auf facebook gepostet hat! Jedenfalls, ein ulkiges Zeug, dieses Sojageschnetzelte, das er da hatte. Das gibt es in getrockneter Form, und zwar in mehreren Varianten, als Geschnetzeltes halt, als Würfel, als Medaillons und als Hackfleischsimulation. Für die Zubereitung legt man es zunächst zehn Minuten in Gemüsebrühe (ich bevorzuge halb Sojasoße, halb Gemüsebrühe, gibt mehr Geschmack), drückt es etwas aus und brät es wie echtes Fleisch. Es kriegt sogar braune Stellen wie echtes, wenn man es brät! Und, sehr witzig: es kaut sich wie Fleisch. Gut gewürzt oder in einer pikanten Soße also ein wirklich brauchbarer Ersatz zur Befriedigung der Fleischeslust, und getrocknet praktisch ewig haltbar. Scharf angebraten und großzügig mit Knoblauch, Oregano und Paprika gewürzt ergibt es sogar ein passables alternatives Gyros!

Das, finde ich, ist überhaupt das Beste an der neuen Fleischesunlust: eine Unmenge von neuen Produkten zum Ausprobieren und Kennenlernen, aus diversen Grundstoffen, von Milch (was natürlich nichts für Veganer ist) über Soja und Lupine bis zu Pilzen! Und immer kommt etwas Neues hinzu! Wenn ich da an früher denke…da gab´s ja quasi nur Tofu, und der schmeckte doch immer ein bisschen nach Silikonmasse. Aber auch für diejenigen, die sich nicht freudig auf komplex aufbereitete Fleischersatz-Fertigprodukte stürzen, haben sich durch die neue Fleischesunlust Türen geöffnet: Starköche veröffentlichen vegetarische und inzwischen auch vegane Kochbücher mit Gerichten, deren Raffinesse bei verblüffend einfacher Zubereitung nichts zu wünschen übrig lässt. Es lohnt, sich davon inspirieren zu lassen, auch wenn man sich wie ich nicht gleich dem vollständig vegetarischen oder veganen Lebensstil verschreiben will, sondern einfach nur – gesund genießen. Und das ist ja schließlich das Motto dieses Blogs, nicht wahr?

Einen gesunden, leckeren Sommer wünsche ich Ihnen!