An dem Konsum unseres Lieblingsessens hängt jede Menge Dramatik: Emotionale Abhängigkeit, äußere Beeinflussung und der Charakter eines jeden Menschen hängen damit zusammen.

Wer kennt das nicht, die Mittagspause naht, der Magen knurrt und dann dieser Wunsch nach dem einen speziellen Essen. Spaghetti, Hühnerfrikassee, Rouladen, Schnitzel, Gemüsepfanne, Pizza, Schokolade, Tiramisu, Eis, Suppen aller Art, die Lieblingsessen sind meistens bunt gemixt und bieten allerhand für Gaumen, Magen und teilweise auch für die Hüften. Was hat es auf sich mit dem Lieblingsessen und warum ist es so wichtig für uns, dass wir gerade diesen Genuss mehrfach für uns beanspruchen, egal ob auf den ersten Blick gesund oder weniger gesund. Auch die Nährwertetabelle rückt bei dem Gedanken an den Gaumenschmaus bei allen Menschen in den Hintergrund. Schlemmen bis zum sprichwörtlichen Gefühl des Platzens, genau das ist eng verbunden mit dem Lieblingsessen.

Das Lieblingsessen verrät viel über den Menschen und seinen Charakter.

So zeigte eine Studie, dass Menschen mit Vorliebe für Salz, Routine langweilt. Menschen, die gerne dunkle Schokolade mit einem hohen Kakao-Anteil essen, sind nach den Erkenntnissen des US-amerikanischen Wissenschaftlers Dr. Alan Hirsch gesellige, soziale und leidenschaftliche Netzwerker. Wer dagegen Milchschokolade bevorzugt, ist eher introvertiert und benötigt viel Zeit für sich. Genießer scharfer Speisen wiederum lieben nach den Untersuchungen das Risiko und brauchen den Adrenalinkick. Liebhaber süß-salziger Leckereien sind der Studie zufolge überdurchschnittlich intelligente und kreative Einzelgänger. Sie erscheinen ihren Mitmenschen zunächst als distanziert und verschlossen, doch tatsächlich brauchen sie einfach nur eine gewisse Zeit, um mit anderen warm zu werden. Gilt das Motto Hauptsache süß, so stechen die „Zucker-süßen“ Menschen gerne aus der Masse hervor. Selbstzweifel sind ihnen fremd.

Wenn ich während meiner Ernährungsberatersberatertätigkeit Menschen nach ihrem Lieblingsessen frage, fangen meistens die Augen an zu funkeln, es huscht ein Lächeln über das Gesicht und man sieht förmlich, wie ihnen das Wasser im Mund zusammenläuft. Warum ist das so? Warum können genau diese Gedanken an das Lieblingsessen diese Reaktionen im Körper auslösen?

Sie kennen vielleicht die Experimente des russischen Mediziners Iwan Pawlow. Den so genannten Pawlowschen Hunden lief bereits dann das Wasser im Maul zusammen, wenn ihr Besitzer auf sie zukam, obwohl kein Futter in Sicht war. Pawlow vermutete, dass allein das Geräusch der Schritte die Sabberei auslöste. Die Hunde waren daran gewöhnt, dass es etwas zu fressen gibt, wenn sich ihr Besitzer nähert, oder womöglich freuten sie sich auf Streicheleinheiten. Klassische Konditionierung eben – und die funktioniert offenbar auch bei Zweibeinern. Sind wir ebenfalls auf unser Lieblingsessen konditioniert und können wir uns besser kontrollieren? Bei uns wird, so ergab eine Studie zweier Wissenschaftler, dass das Lieblingsessen auch durch äußere Einflüsse mitbestimmt.

Wie kann man sich das vorstellen?

Zunächst wurde ein Vergleich des Essverhaltens zwischen zwei Gruppen von Sportfans durchgeführt (Yann Cornil und Pierre Chandon (2013). From Fan to Fat? Vicarious Losing Increases Unhealthy Eating, but Self-Affirmation Is an Effective Remedy. Psychological Science). Die hatten in einer repräsentativen Studie an verschiedenen Zeitpunkten Tagebuch über ihre Ernährung geführt. Nun schauten die Forscher auf die Ergebnisse der US-Footballliga NFL in eben jenen Phasen der Dokumentation und bemerkten einen kuriosen Zusammenhang.

Hatte das örtliche Footballteam am Wochenende verloren, konsumierten die Menschen in diesen Städten 16 Prozent mehr gesättigte Fettsäuren – und die sind vor allem in Kalorienbomben wie Pizza, Chips und Schokolade enthalten. Außerdem nahmen sie im Falle einer Niederlage auch wesentlich mehr Kalorien auf.

Anders war es im Falle eines Sieges. Hatte die lokale Mannschaft gewonnen, aßen die Einwohner neun Prozent weniger gesättigte Fettsäuren und verzehrten weniger Kalorien. Kurzum: Sie ernährten sich gesünder.

An dem Konsum unseres Lieblingsessens hängt jede Menge Dramatik. Nicht nur, dass es nicht immer die gesündeste Art der Nahrungsaufnahme darstellt, auch die emotionale Abhängigkeit, äußere Beeinflussung und der Charakter eines jeden Menschen hängen ebenfalls mit dem Konsumverhalten zusammen. Das Lieblingsessen macht uns zu dem was wir sind, Genussmenschen.

In diesem Sinne meine lieben Leserinnen und Leser, genießen Sie ihr Lieblingsessen und bleiben Sie gesund.

Ihre Katrin Schuhen