Wobenzym-Autorin Ute macht sich Gedanken über gute Vorsätze und körperliche Genüsse.

Und auch die Zeit nach den Feiertagen kommt „Alle Jahre wieder“, aber besungen wird sie eher nicht: der karge Januar, der erst dann so richtig spürbar anfängt, wenn die letzten Silvesterraketen verknallt, die letzten Bestände der Hausbar vertrunken und die letzten Großvögel und sonstigen Delikatessen gegessen sind. Wenn statt hübscher Grußkarten entsetzlich nüchterne Jahresrechnungen  aus den realen und den digitalen Briefkästen flattern und Begleichung fordern. Wenn die Innenstädte, die wochenlang im Rausch von Glitzerdeko, Glühwein und Weihnachtsliedergedröhne eine Art folkloristisches Las Vegas gespielt haben, plötzlich wieder wie Dodge City daherkommen, wo man niemandem trauen darf. Wir kennen das aus alten Western und haben schon automatisch die einsam klagende Mundharmonika im Ohr, die auch noch die letzten Reste von Jingle Bells aus den Gehörgängen fegt. Diese Zeit also, in der Kaffeetrinker sich sehnlichst einen Coffein-Dauertropf wünschen, um wenigstens für die vorgeschriebene Stundenzahl die Augen offenhalten zu können, von der ja ein Teil immer noch arg im Dunklen liegt.

Ja, der Alltag zieht wieder ein, und er unterscheidet sich vom letztjährigen oft genug nur darin, dass man in den ersten Tagen sehr aufpassen muss, nicht auch noch die vorherige Jahreszahl einfach weiterzuverwenden. Um das zu vermeiden und dem Schlendrian der Feiertage ein klares Ende zu setzen, gibt es einen noch nicht so alten, aber sehr gepflegten Silvesterbrauch: die guten Vorsätze. Mit denen, wie ein Sprichwort sagt, ja auch der Weg zur Hölle gepflastert sein soll – aber wenn das schlechte Gewissen und die Feiertagspfunde drücken, verhelfen einem solche Vorsätze zumindest dazu, sich im frisch angebrochenen Jahr zu orientieren, und sei es auch nur über den Januar. Länger halten sie meistens nicht, die Neujahrsvorsätze, aber versuchen kann man es ja mal, nicht wahr? Es geht ja zumeist um Selbstoptimierung wie das Ende eines Lasters oder den Anfang eines Sportprogramms, und mit der Disziplin, die es dafür braucht, wird zumindest der erste Monat des Jahres schon mal sinnvoll gefüllt und lässt sich vom letzten des Vorjahres dadurch gut unterscheiden. Da ist dann die neue Zahl am Ende des Datums nur noch das Tüpfelchen auf dem I.

Ich selbst habe schon vor Jahren den besten aller Vorsätze gefasst, nämlich mir diese guten Vorsätze zum Jahreswechsel zu ersparen, aber ich frage ja gern mal bei meinen Mitmenschen nach, was die sich so an Selbstoptimierung auferlegt haben. Dieses Mal musste ich erstaunt feststellen, dass auch andere abwinken und so etwas sagen wie „Nee, lass mal, das klappt ja doch nicht!“ Nanu? Ist da ein neuer Trend absehbar? Oder werden manche tatsächlich mit zunehmendem Alter klüger, weiser, entspannter, und machen ihre Entschlüsse nicht mehr am Datum fest?

An mir selbst habe ich festgestellt, dass ich mich zwar nie im Sinn der Vorsätze erfolgreich optimiert, aber dafür über die Jahre gelernt habe, auf meinen Körper zu hören. Und der regelt vieles schon von selber; so zum Beispiel stellt er den Appetit auf Lebkuchen, Marzipan, üppige Soßen und Geschmortes, Gesottenes und Gebratenes praktisch auf einen Schlag ein, sobald die Feiertage vorbei sind, und sehnt sich stattdessen nach leichterer und möglichst grünerer Kost. Er macht mir deutlich, dass er nicht mehr so viel Zeit in die Verdauung stecken, sondern sich lieber auf den Frühling vorbereiten will, der ja auch schon fast wieder vor der Tür steht, so schnell, wie die Zeit in meinem Alter läuft. Und spätestens dann ruft der Garten, und der verlangt der Hobbygärtnerin schon ein gewisses Maß an Fitness und ausgeschlafener Muskulatur ab. Ja, Gärtnern ist auch Sport, obwohl es vielleicht nicht so aussieht; aber wenn Knochen, Muskeln und Gelenke sich steif und unvorbereitet und ohne Warmup-Phase in die notwendigen Arbeiten stürzen sollen, kann sich das schnell und gemein rächen. Und dann überrollt einen die erwachende Vegetation, während man selber reuevoll und unter Schmerzen zuschaut. Ist doch klüger, das im Vorfeld zu vermeiden? Es gibt ja durchaus Möglichkeiten dafür.

Davon und von meinen Vorbereitungen für ein erfolgreiches Gartenjahr erzähle ich dann beim nächsten Mal…