Gerade haben wir den ersten Advent gefeiert. Eigentlich keine Kirchgängerin, folgte ich der Einladung meiner mittlerweile betagteren Mutter, den Gottesdienst ihrer Gemeinde zu besuchen, welchen sie mit den Damen aus dem Frauenkreis gestaltete.

Gerade haben wir den ersten Advent gefeiert, zumindest ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland, ob nun mit christlichem Hintergrund oder eher anderen Motiven. Ich fand es sehr schön und ein wenig witzig, dass die einzige Familie auf unserem Flur, die einen weihnachtlich geschmückten Kranz an ihrer Wohnungstür drapiert hat, eine türkischstämmige ist.

Eigentlich keine Kirchgängerin, folgte ich der Einladung meiner mittlerweile betagteren Mutter, den Gottesdienst ihrer Gemeinde zu besuchen, welchen sie mit den Damen aus dem Frauenkreis gestaltete. Unter dem Motto „Süßer die Glocken nie klingen“ stellten sie szenisch einen Kaffeklatsch dar, nebst liebevoll gestalteter Tafel und unzähligen Glocken aus mehreren Epochen, die rund um den Tisch und darauf verteilt worden waren.

Es wurden Geschichten und Geschichte aus vergangenen Zeiten zum Thema „Glocken“ erzählt, viel Informatives wie die Einschmelzung der Glocken zu Rüstungszwecken im zweiten Weltkrieg, aber auch herrliche Berichte über helles Läuten zur Geburt neuer Erdenbürger. Die Damen entwickelten hierbei schauspielerisches Talent und gingen ganz locker und lässig mit technischen Problemen wie dem Ausfall der Mikroheadsets um. Daran könnte sich manch ein Star ein Beispiel nehmen.

Es war schön zu erleben, wie engagiert die Seniorinnen mit Witz und Esprit den Adventsgottesdienst gestalteten, obwohl sie natürlich zum Teil gesundheitliche Einschränkungen aufgrund von Verschleißerkrankungen beeinträchtigen. Es läuft eben nicht mehr alles „wie geschmiert“, Arthrosen und andere Verschleißerkrankungen führen zu Schmerzen und Unbeweglichkeit, umso wichtiger ist es, den Bewegungsapparat, je nach individueller Möglichkeit, „am Laufen“ zu halten.

Seitdem meine Mutter allein lebt, wie so viele ältere Frauen es tun, ist meine Sorge um sie nicht nur ihre körperliche Unversehrtheit betreffend, sondern ebenso die Einsamkeit, unter welcher sie zuweilen leiden wird.

Aus diesem Grund waren wir als Familie auch erleichtert, als sie einen Platz im „betreuten Wohnen“ der Gemeinde, in welcher ich selbst einige Jahre pädagogisch tätig gewesen bin, bekommen hatte. So viel Betreuung wie nötig, aber so wenig wie möglich, um den älteren Bewohnern in ihren Bedürfnissen entgegenzukommen, das lebendige Miteinander ist hier keine Worthülse.

Regelmäßiges „Zocken“ im Glockencafé findet statt, genauso der beliebte Kreativkreis, der natürlich aktuell zur Adventszeit mit allerlei Dekoration, Karten, Strickwaren, alles selbstverständlich in Handarbeit hergestellt, aufwartet. Mindestens alle zwei Monate geht die Bewohnerschaft auf Tour, ein etwas aufwendiges Unterfangen mit Gehhilfen wie Rollatoren oder Stöcken, aber das hält hier kaum jemanden von der Teilnahme ab. Die letzte Fahrt führte zum Forellenhof in Borken, unsere Familie ließ sich den „Fang“, den meine Mutter gemacht hatte, gut schmecken.

Es ist so wichtig, gerade im Alter mit mehr Freizeit, den Kontakt zu Gleichgesinnten zu pflegen, miteinander diese Freizeit zu gestalten, wie auch einfach zu klönen und zu lachen.

Ich wünsche uns allen, im wahrsten Sinne des Wortes, eine bewegte Vorweihnachtszeit.