Wobenzym-Autorin Ute überwindet ihre Schulsport-Allergie und bereitet sich mit Yoga auf die kommende Gartensaison vor.

Frühling oder nicht Frühling, das ist im Februar die Frage. Also eher: kommt noch mal Schnee und Eis, oder war es das jetzt mit dem Winter? Ich selber bin ja eher zwiegespalten, was ich mir wünschen soll – einerseits gibt es draußen immer noch oder schon wieder viel zu tun, Liegengebliebenes vom Vorjahr, aber auch Vorarbeiten für eine möglichst erfolgreiche nächste Gartensaison, für die es zumindest einen ungefrorenen Boden bräuchte. Andererseits kann die Gärtnerin sich auch immer noch drinnen in der geheizten Wohnung gut beschäftigen, Kataloge wälzen und Saatgut bestellen, zum Beispiel, ach, immer diese Entscheidungen! Und schon mal die ersten Pflänzchen auf der Fensterbank vorziehen, damit die später groß und stark genug sind, ins Freiland umgesetzt werden zu können. Und wo wir gerade bei „stark genug“ sind: auch die eigenen Muskeln, Knochen und Gelenke brauchen ihre vorbereitenden Maßnahmen, um gerade die ersten Einsätze in zwar frostfreiem, aber noch nicht mal im Ansatz gemütlich warmem Gelände gut verkraften zu können.

Als Anfänger weist einen ja niemand darauf hin, wie wichtig das ist, obwohl es gerade in Kleingartenkolonien wie meiner genügend Gartenfreunde gibt, die die Neue ungefragt mit jeder Menge Tips überschütten. Die in „nützlich“ und „unnütz“ zu unterscheiden ist eine ebensolche Herausforderung, wie es für Aschenputtel das Sortieren von Erbsen und Linsen war. Erst Jahre später bemerkt die Gärtnerin erstaunt, dass sie inzwischen beides kann und nicht einmal mehr darüber nachdenken muss. Und so soll es im besten Fall auch mit der physischen Gartenfitness sein: man sorgt dafür, ohne noch darüber nachdenken zu müssen.

Nun bin ich ja von Haus aus sehr ökonomisch orientiert; weniger wohlmeinende Mitmenschen würden das wohl „faul“ nennen, aber das ist ein Mißverständnis. Es geht mir viel eher darum, mit möglichst geringstem Aufwand das möglichst beste Ergebnis zu erreichen, und dazu gehört auch der zeitlich möglichst geringste Aufwand. Also, Fitness üben? Meinetwegen täglich, meinetwegen dauerhaft, aber dann bitte nicht eine halbe Stunde am Tag oder sogar mehr, und jede Übung zwanzigmal wiederholen! Laaaangweilig!! Und ich kenne mich, das ist nichts, worüber ich irgendwann nicht mehr nachdenken müsste, im Gegenteil. Da würde ich mir immer wieder selbst erzählen müssen, wozu das jetzt gut ist, und wenn ich das endlich akzeptieren würde, wäre die halbe Stunde um. Ja, es ist nicht leicht mit der Ökonomie. Ich weiß.

Während ich also noch so halbherzig nach einer Möglichkeit suchte, meine körperlichen Bestandteile möglichst ohne großen Aufwand für die Erfordernisse der Gartensaison bereit zu machen, riet mir eine Freundin: „Probier´s doch mal mit Yoga!“ Hmmm, jaaa, gab ich zur Antwort, prinzipiell ja nicht schlecht, aaaber: Kurs, Termine, Lehrerin. Kosten. Schulsportallergie! Andererseits: im Prinzip nicht schlecht – und wozu gibt’s das Internet? Also googelte ich und fand ihn: Den Sonnengruß. Diesen seltsamen Bewegungsablauf, den ich ab und zu in amerikanischen Fernsehfilmen gesehen hatte, wo blonde Joggerinnen am Strand ihn mal eben vor dem Weiterlaufen im Dünensand durchturnten. Wie leicht und graziös und selbstverständlich das ausgesehen hatte! Nun wusste ich endlich, was das gewesen war – und auch wenn zwischen amerikanischen Joggerinnen und mir weit mehr Welten liegen als nur ein Ozean, das zumindest wollte ich auch können! Und zum Glück gab es im Internet ja jede Menge Videos, in denen die einzelnen Bewegungen ganz langsam, also in Merkgeschwindigkeit, gezeigt und erklärt wurden, von sanften, beruhigen Stimmen, gegen die sogar meine Schulsportallergie keine Chance hatte. Immerhin brauchte ich ja auch nirgendwohin, um zu üben, sondern konnte das tatsächlich in meinem heimischen Schlafzimmer machen, wo mich zum Glück niemand beobachten würde. Außer der Sonne, aber die sieht so etwas ja dauernd, und außerdem ist sie ja auch die Adresse, an die der Sonnengruß sich richtet. Passt schon.

Aber leicht und graziös? Ha! So wohltuend diese Bewegungsabfolge ist, wenn sich der Körper erst einmal daran gewöhnt hat – sie hat es in sich. Bei den ersten Versuchen kam ich über zwei Durchgänge nicht hinaus, bevor ich verschwitzt und entkräftet auf dem Teppich lag, und dabei war ich noch bei den Vorstufen! Zum Glück gab es die sanften beruhigenden Stimmen in den Videos, die immer wieder betonten, dass es beim Yoga nicht auf Leistung und Ehrgeiz ankomme, sondern darauf, behutsam mit dem Körper umzugehen, in ihn hineinzuspüren und geduldig zu sein. Der stete Tropfen und so. Das hätte ich ja gern mal im Schulsport gehört!

Meinem Körper jedenfalls gefiel diese Übung, das konnte ich tatsächlich spüren, und so machte es Spaß, auch wenn ich keine blonde Joggerin am kalifornischen Strand war und nie sein würde. Vor allem aber machte sie erstaunlich wach! Die Lungen werden geweitet, verbrauchte Luft `raus, frische `rein, ich staune noch immer, was für einen Unterschied das gerade auch im Kopf macht. Und so nach und nach konnte ich auch fühlen, wie meine Muskulatur geschmeidiger und kräftiger wurde, die Gelenke belastbarer, und der ganze Bewegungsapparat harmonisch ineinander griff. Hey, Muskeln!! Mit zehn Minuten am Morgen! Natürlich bin ich dabei geblieben, und es ist genau so, wie ich das gewollt hatte: ich muss nicht mehr daran denken. Keine innere Debatte führen. Ein Morgen ohne Sonnengruß, da fehlt irgendwie was. Das ist, als wäre ich gar nicht angeschaltet. Und das gilt inzwischen das ganze Jahr  hindurch… Was auch heißt: Damit kann die Gartenzeit eigentlich kommen, wann immer sie will, ich bin allzeit bereit.