Also, das war ja mal ein nasses Gartenjahr bislang, alle Wetter! Bei Ihnen auch? Nun sind ja Niederschläge in Form von Regen für den Garten an sich sehr willkommen, aber bei den Massen wird auch die Gärtnerin selber niedergeschlagen. Üppig wuchert zwar das Grün, aber meistens das falsche – und innerhalb weniger Tage verwandelt sich der vorher ordentliche Nutzgarten in einen veritablen Dschungel aus Wildkraut, der die zarten Sämlinge unter seiner schieren Masse erstickt. Aber das Schlimmste ist, dass ein nasser Garten dem ärgsten Feind aller Gemüsegärtner bestens zupass kommt: der spanischen Nacktschnecke. In rauen Mengen gleiten sie ungebremst über die Beete und raspeln alles nieder, was erst noch Nutzpflanze werden wollte, wenn man nicht rechtzeitig seine Beete in Hochsicherheitstrakte umgewandelt hatte – und wer macht das schon? Tja, und das war´s dann mit den angesäten Möhren, Roten Beten, dem Salat und allem, was die Gärtnerin zwischen den Güssen so hoffnungsvoll gesät hatte, und fast auch mit der Motivation.

Aber zum Glück gab es in meinem Garten auch den einen oder anderen pflanzlichen Hoffnungsschimmer: Mangold, der sich im Vorjahr aus stehengebliebenen Stauden selbst ausgesät hatte, zum Beispiel. Und  ein Gemüse, das ich im Vorjahr bei meinen Gartennachbarn gesehen und dieses Jahr zum ersten Mal selbst gesät hatte: Vicia Faba, auch bekannt als Dicke Bohne, Saubohne, Ackerbohne oder Puffbohne, und unter Gourmets als Favabohne. Der Witz dabei: es ist gar keine Bohne, sondern eine mit Wicken eng verwandte uralte Kulturpflanze. (Die „echten Bohnen“ tragen den Gattungsnamen Phaseolus, übrigens.) Und uralt heißt hier: eine Frühform wurde bei Ausgrabungen in Nazareth, Israel gefunden und auf vor 6000 vor unserer Zeitrechnung datiert. Und ab 3000 vor Christus fand sich Vicia Faba im Mittelmeerraum in vielen Ausgrabungsstätten. Eine echt historische Hülsenfrucht also!

Was für mich jedoch wichtiger war, ist, dass diese Bohne, anders als die echten, nicht frostempfindlich ist und deshalb viel früher eingesät werden kann als die Phaseolus-Bohnen, die ja erst nach den Eisheiligen in die Erde dürfen. Die Vicia Faba gehört also zu den ersten Gartengemüsen, die sich blicken lassen, und wenn Gärtnerin Glück hat, ist sie schon groß, wenn die Nacktschnecken sich über die Jungtriebe der anderen Arten hermachen. Was der gebeutelten Gärtnerin dann das gute Gefühl gibt, dass doch nicht alles vergebens war… Sie verstehen?

Jedenfalls: seit dem 1. Jahrtausend unserer Zeitrechnung war die Favabohne auch hierzulande bekannt und ein wichtiges Grundnahrungsmittel für Mensch und Tier. Gerade für die ärmeren Teile der Bevölkerung war sie, neben Linsen und Erbsen, eine wesentliche Quelle für Protein und wertvolle Mineralien. Vielleicht stammt daher auch die Gewohnheit, Favabohnen hauptsächlich in sättigenden Eintöpfen zu verwenden und dafür die Bohnen auch „auswachsen“ zu lassen? Noch viel besser schmecken sie aber jung, wenn die nierenförmigen Böhnchen gerade mal einen Zentimeter groß und noch milchig-zartgrün sind, und so haben sie in neuerer Zeit auch die Gourmets für sich entdeckt, ganz zu Recht!

Wichtig zu wissen: die Kerne halten sich nur IN den Schalen länger als einen Tag, außerhalb verderben sie schnell und sollten daher blanchiert und eingefroren werden, wenn man sie später verbrauchen will. Und noch zarter und besser schmecken sie dann, wenn man die Kernchen aus der etwas ledrigen Außenhaut drückt. Anders als die echten Bohnen kann die Favabohne übrigens auch roh verzehrt werden – aber geschmacklich ist das nicht wirklich ein Gewinn.

Ebenfalls wichtig: Menschen mit dem Gendefekt „G6PD-Mangel“ sollten die Favabohne meiden, da sie einige ihrer Inhaltsstoffe nicht abbauen können und schwer allergisch reagieren. (In Mitteleuropa betrifft das ca. 1% der Bevölkerung.)

So, genug der Theorie und hin zur Praxis: ich habe Ihnen hier ein ganz einfaches Rezept aus der italienischen Küche herausgesucht, durch das sie jenseits von Eintopf mit Speck und dicker Soße die Favabohne geschmacklich kennenlernen können, wie sie von Feinschmeckern geschätzt wird. Am besten verwenden Sie dazu die jungen Kerne – die erkennt man von außen daran, dass sich die Kernform in der Schale zwar schon abzeichnet, aber noch nicht ausgeformt ist.

Favabohne mit Pecorino

Sie brauchen 1 1/2 Kilo Bohnen in Schale, das ergibt ca. 400 Gramm Bohnenkerne. Diese palen sie aus den Schalen, kochen sie in sprudelndem Salzwasser ca. 2 – 3 Minuten und schrecken sie in kaltem Wasser ab. Abtropfen lassen und die Kerne aus ihren Häuten drücken (muss nicht, aber die Kerne sind ohne noch zarter), dann mischen Sie sie in einer Schüssel mit 3 Esslöffeln Olivenöl und 1 Teelöffel Zitronensaft, salzen und pfeffern das Ganze und hobeln ca. 20 Gramm Pecorino drüber. (Falls Sie keinen zur Hand haben, tut Parmesan es auch.)

Guten Appetit!