Es ist doch immer wieder dasselbe: kaum guckt man mal nicht hin, legt die Zeit einen Zahn zu und die Tage und Wochen rasen nur so vorbei! Und wenn man dann mal kurz anhält und nach Luft schnappt, stellt man fest, dass der letzte Blogeintrag ja auch schon eine ziemliche Weile her ist. Der Bärlauch, um den es darin ging, hat sich jedenfalls größtenteils schon wieder in die Erde verzogen, nur das eine oder andere vergilbte Blatt ragt noch heraus wie eine Platzmarkierung. Danke, Bärlauch, bis zum nächsten Jahr! Und Verzeihung, Leserinnen und Leser, ich habe Sie nicht vergessen, es ist nur…Pflanzzeit. Mitte Mai, nach den Eisheiligen, darf und muss nämlich alles empfindliche und deshalb drinnen auf der Fensterbank vorgezogene Gemüse endlich nach draußen. Und zwar flott! Denn wenn man im Februar die Tomaten angesät hat, haben die jetzt schon – hoffentlich – ordentlich Stengel und Blattwerk angesetzt, was einerseits die noch ungeputzten Fenster verdeckt, andererseits aber auch sonst ziemlich Raum fordert. Und die Kürbisse erst!

Zum Glück war ich mal wieder etwas zu spät und habe mein Saatgut erst Anfang April geliefert bekommen. Was heißt, dass meine Tomaten- und Kürbispflänzchen echte Spätstarter waren – aber das war der Frühling ja irgendwie auch, bei uns im Norden jedenfalls. Mit frostigen Nächten, in denen man wirklich keine Jungpflanzen aussetzen mochte, auch die unempfindlichen nicht, ich bin da sensibel. Was mir Recht gab, waren meine älteren Mitgärtner, die ganz optimistisch schon im März und Anfang April allerlei Saat in den Boden versenkt, aber dann kopfschüttelnd festgestellt hatten, dass die lieber in Kornform im Boden blieb, statt sich aus ihm heraus zu Salatköpfen oder Erbsenranken zu entfalten. „Zu kalt!“ lautete ihr Urteil. Das der Gärtner, und offenbar auch das der nicht so ganz werden wollenden Pflanzen.

Es ist ja immer so: wo sich mehrere Experten auf einem Haufen finden, da lungert auch immer der Wettbewerb herum. Das läuft ganz automatisch, und ich bin davor auch nicht gefeit. Wenn die Beete meiner Nachbarn schon vor Gemüse strotzen, während ich zuhause noch meinen Sämlingen Lieder vorsinge, um sie zum Bilden der ersten Blätter zu animieren, lässt mein Gärtnerinnenherz sozusagen ihre hängen. Wenn aber unsere gärtnerischen Cracks in der Kleingartenkolonie aussehen, als würden sie am liebsten ihre eingesäten Reihen persönlich bebrüten, damit sich endlich etwas Grün zeigt, verschafft mir das erstens leise Genugtuung und zweitens die Zeit, meine eigenen Beete erst einmal in Form zu bringen, Kraut zu entfernen und Kompost einzuarbeiten. Worüber dann wieder meine Setzlinge zuhause vermutlich ganz froh sind, weil ich ihnen nicht ständig in die Pflanzschalen starre.

Was meinen Garten angeht, hatte ich auch ganz ungewollt schon für eine auffallende pflanzliche Dekoration gesorgt: den Mangold vom Vorjahr, eine Mischung mit Stielen in rosa, rot und gelb, hatte ich nämlich nicht herausgenommen, und nun war er trotz der Kälte wieder gewachsen und hatte bereits Blätter bekommen. Geschmacklich rangiert Mangold nicht unter meinen Lieblingsgemüsen, aber rein optisch macht er einiges her, zumal mit bunten Stielen. Echte Hingucker, die deutlich ein „Hier wächst schon was!“ signalisieren, quasi eine Art gemüsiger Disco-Effekt, der von den Spaziergängern sehr bewundert wird. Der blieb also stehen, und ich konnte mich ohne Hektik um den Rest der Anbaufläche kümmern, mit dem guten Gefühl, dass diesmal die Natur sich eher meinem Tempo anpasst als dass ich ihr, wie in einigen Jahren zuvor, hektisch hinterherarbeiten muss. So macht das Spaß!

Und zum ersten Mal in meiner Gärtnerinnenkarriere habe ich tatsächlich „frühe“ Kartoffeln. Ich hatte einfach die Speisekartoffeln, die in ihrer Kiste in meiner Küche schon lange Keime bekommen hatten, in zwei fertige Beete umgesetzt, nach dem Motto „Hauptsache, man sieht, dass da was wächst“ – und sie hatten ganz unerwartet die Eisheiligen bestens überstanden. Der junge Porree meines alten Mitgärtners dagegen ganz und gar nicht, der musste noch einmal nachgesät werden. „Des Einen Freud´“ und so.

Also, das habe ich gemacht, statt Blogbeiträge zu schreiben, jetzt wissen Sie´s. Inzwischen ist der Frühling in Schwung gekommen, in meinem Garten wachsen außer den schon Erwähnten auch noch Erbsen, Salat, Pastinaken, Dill und seit neuestem die „drei Schwestern“: Mais, Feuerbohnen und Kürbis. (Die drei Schwestern sind eine uralte Anbaumethode der Indianer im Süden Nordamerikas; die Pflanzen profitieren voneinander, der Mais gibt die Rankstütze für die Bohnen, die wiederum den Maiswurzeln Stickstoff liefern. Die Kürbisblätter dazwischen unterdrücken Unkraut und schützen den Boden vor der Sonnenhitze.)

Und was sich zu meiner großen Freude so richtig breitgemacht hat in meinem Garten, sind: Erdbeeren! Überall, wo Platz ist, haben sich Ableger angesiedelt, in den Blumenbeeten, unter Stauden, wirklich überall. Das fällt jetzt erst auf, weil sie blühen. Ich kann meinen Garten mit Fug und Recht in „Strawberry Fields“ umbenennen!

Liebe Leser, dies also als Statusmeldung – diesmal ohne Rezept, aber im nächsten Beitrag bringe ich wieder das eine oder andere  mit. Genießen Sie den Frühling!