Wobenzym-Autor Andreas nimmt uns mit auf eine Wanderung in den bayerischen Wald.

Die Feiertage sind vorbei. Der Winter will sich nicht so richtig einstellen. Das Wetter grau in grau. Nur in der Wohnung zu sitzen und darauf zu warten, dass die das Wetter verbreitende Melancholie verfliegt, funktioniert nicht. Gut das es die moderne Technik gibt und viele potentielle Ausflugsziele mit Webcams „aufgerüstet“ haben.

Schnell mal die Wetterprognose in die Erinnerung gerufen, war da nicht die Rede von Hochnebel und Sonne in höheren Lagen? Mission „der Sonne hinterher“ läuft an. Kurz die „üblichen“ Webcams der näheren Umgebung aufgerufen und prompt beim ersten Ziel blauen Himmel entdeckt. Einen Apfel und eine Flasche Wasser, Handschuhe und Mütze sowie die Kamera geschultert und auf geht’s!

Nach kurzer Fahrt durch einen Einheitsbrei aus grau und Nebelschwaden macht sich ab ungefähr 500 Höhenmeter der Nebel dünne und gibt sich der Sonne geschlagen. Meine Laune hebt sich mit jedem gefahrenen Kilometer. Auch wenn hier normalerweise um diese Jahreszeit immer mit Schnee zu rechnen ist, ist es in diesem Jahr eher frühlingshaft. Nun gut, weshalb über etwas ärgern was eh nicht zu ändern ist. Meine Ziele sind die Burgruine in Flossenbürg und das in der Nähe befindliche Skilanglaufzentrum das ich nach kurzer Fahrt erreicht habe.

Der Weg hinauf zur Ruine ist gemächlich und wird von blauem Himmel und glitzernden Tauperlen, die der in der Sonne schmelzende Raureif formt, begleitet. Gut das ich an Handschuhe und Mütze gedacht habe denn der Wind sorgt schon dafür das man nicht ins Schwitzen gerät. Die Aussicht jedoch entschädigt und auf so einer Burgruine gibt es ja genügend windgeschützte Ecken wo man sich durch die Sonnestrahlen wieder aufwärmen kann.

Nur fünf Kilometer weiter befindet sich das Skilanglaufzentrum „Silberhütte“. Anfang Dezember gab es hier schon mal Schnee. Leider sind nur noch die letzten vereisten Reste auf den nicht mehr vorhandenen Loipen zu sehen. Die Schneekanonen warten sehnsüchtig auf ihren Einsatz. Doch wenn es nicht konstant einige Grad unter Null hat können diese halt nichts „verschießen“. Mir kommt es so gesehen aber gerade ganz recht. Ist doch einfach weniger los und so gehört der Wald mir und einigen entgegenkommenden Wanderern fast alleine.

Wald

Mit etwas Trittsicherheit und gut profilierten Schuhen kommt man auch auf den vereisten Wegen gut und sicher voran. Die durch die Bäume scheinende, tief stehende Wintersonne ist mir ein treuer Begleiter. Schon lange einmal hatte ich mir vorgenommen die Quelle der „Waldnaab“ zu besuchen. Der Weg dorthin führte mich über den 901 Meter hohen „Entenbühl“ der mit der St. Hubertus Kapelle, ein ehemaliger Bunker von 1938, einen markanten Gipfel bildet. Entlang an der deutsch-tschechischen Grenze ist mein Ziel nach nur wenigen Minuten erreicht.

Von dem früheren eisernen Vorhang ist nichts mehr zu sehen. Nur ein paar Grenzsteine und –pfähle markieren den Grenzverlauf. Keine martialischen Hinweisschilder mit der Gefahr für Leib und Leben mehr. Die angenehme Stille der Natur und das leise Gluckern der nicht zugefrorenen Quelle bestätigten mich in meinen Entschluss nicht der „Januardepression“ anheim zu fallen sondern offensiv einen Schritt nach vorne, hinaus in die Natur gemacht zu haben, die mich mit Sonne, frischer Luft und positiven Gedanken belohnt hat.