„Normalerweise“ geht’s im Urlaub ja in die klassischen Feriengebiete in den Süden. Warum nicht mal in eine andere Richtung, nach Osten? Also Koffer gepackt und ab nach Polen, das Land wo sie dir dein Auto schneller klauen als du parken kannst, deine Organe verscherbeln und dich eh nur als „Touri“ abzocken? Da ich aber nichts von Vorurteilen halte freute ich mich auf Ferien abseits der üblichen Touristenpfade.

Mazurka auf der Autobahn

Die Anfahrt ging mehr oder weniger reibungslos. Die Autobahnen, zumindest die auf denen ich fuhr, sind in gutem Zustand. Und wie es auf den Autobahnen hüben wie drüben üblich ist, gerät man über kurz oder lang einfach mal in einen Stau. Sei es wegen Unfall, Baustelle oder einfach so, man weiß es eben erst wenn man ihn hinter sich gelassen hat. Die polnischen Autofahrer haben nicht mehr Geduld, als die deutschen, sie müssen immer schnellstens von A nach B. Deshalb wird nicht lange gefackelt und es wird auf der Autobahn gewendet!

Ich dachte ich sehe nicht richtig als mir zuerst auf dem Standstreifen ein Baustellen-LKW mit  sechs Leuten darin entgegen kommt. Nun gut, kann ja sein das die Arbeiter der Baustelle eine Abkürzung nehmen dachte ich mir zuerst. Doch wie auf ein unsichtbares Zeichen hin kommt Bewegung in den Konvoi stehender Fahrzeuge.

Warnblinker rein und alle in entgegen gesetzter Richtung zurück. „Die räumen die Autobahn, kehr’ um!“ wird mir signalisiert. Mit mulmigem Gefühl reihe ich mich in die „Mazurka“ auf der Autobahn ein und stehe, wie nicht anders zu erwarten, wieder im Stau. Es ist nämlich eine Mautstelle bei der Ausfahrt und von der staut sich alles schon zurück.

Als die ersten dies realisiert haben drehen sie wieder um und stellen sich wieder brav in ihre alte Ordnung zurück. „Du kannst wieder umdrehen, wir kommen da eh nicht raus“ höre ich von meinem polnisch sprechenden Begleiter. Also wieder wenden in drei Zügen auf der Autobahn. „Das geht ja gut los“ denke ich mir. Glücklicherweise ist diese Wendeaktion kein Problem, denn in diesem Fall sind alle Fahrer Leidensgenossen und nehmen aufeinander Rücksicht, so dass sich das Tänzchen auf der Autobahn innerhalb kürzester Zeit in Wohlgefallen auflöst. Schon bald darauf lassen wir den Stau und die dafür verantwortliche Baustelle hinter uns.

Polen

„Dzien dobry Polska“

Mit einer entspannten Anfahrt begann ein Tagesausflug nach Krakau, der heimlichen Hauptstadt Polens. Eine Stadt, in verschiedenen Reiseführern als „Weichsel-Schönheit mit südländischem Flair“ bezeichnet, die mit einem herrlichen Marktplatz, „garniert“ mit Kutschen, den Blumenfrauen und natürlich mit der Marienkirche sowie der „Sukiennice“, den Krakauer Tuchhallen (lt. Wikipedia eines der bedeutendsten Beispiele der Renaissance- Architektur in Mitteleuropa) aufwartet.

In der Kulturhauptstadt des Jahres 2000 lässt es sich behäbig in den Gassen der Altstadt flanieren, man kann sich in den vielen Cafes oder Restaurants erfrischen oder einfach nur die Geschichte „atmen“. Die ganze Stadt, wie auch das ganze Land so scheint es, befindet sich im Aufbruch. Die Denkmäler wurden saniert, die Infrastruktur wird modernisiert, Speisekarten internationalisiert und man kommt mit einem „Deutsch-Englisch Kauderwelsch“ eigentlich ganz gut zurecht.

Polen1

Bei all den anderen Reisezielen verhielt es sich ähnlich. Während in Krakau schon die Einflüsse des internationalen Tourismus zu spüren sind, war es hingegen andernorts angenehm entspannt und herzlich. In Psczcyna (früher Pleß) befinden sich neben einem imposanten Marktplatz das Schloss des ehemaligen Fürstentums und ein schattiger Schlosspark. Dort machten wir nach einer ausgedehnten Besichtigung Rast in einem Restaurant mit Blick auf den Fürstensitz. Gute Küche, (für mich) günstige Preise sowie eine angenehme Atmosphäre rundeten den Besuch ab.

Die Polen sind allesamt ein fleißiges und arbeitsames Völkchen. Jedoch genießen sie auch ihre Freizeit wenn die entsprechenden Angebote da sind. So zum Beispiel in Tychy. Der Stadt wo das süffige Bier herkommt. Dort befindet sich am See Paprocany eine modern gestaltete Freizeitanlage mit Sandstrand, Segelrevier, Liegewiesen und Wasserspielanlagen für Kinder.

Sportlich betätigen kann man sich dort ebenfalls bestens. Führt doch um den See ein Rundweg, der, bis auf einen kleinen Abschnitt wg. noch nicht ganz fertig gestellter Baumaßnahmen, ideal für einen Lauf geeignet ist. Hatte ich zu Anfangs den Eindruck das der Breitensport in Polen noch nicht so ausgedehnt ist, musste ich hier meine Ansicht –wieder einmal- revidieren. Zahlreiche Läufer kamen mir freundlich grüßend bei einer Runde um den See entgegen.

Neben den Hinweisschildern im Park wo es „Lody“ (Eis, umgerechnet 25Ct/Kugel) oder „Gofry“ (Waffel mit Sahne und Früchten) gibt, fand ich dann auch einige Plakate zu verschiedenen Sportveranstaltungen an denen ich gerne teilgenommen hätte, jedoch hieß es Abschied nehmen. Vielleicht ein andermal. Die Heimreise führte quer durch Tschechien um das „Nadelöhr“ Dresden zu umgehen.

Bei der Rückreise vermisste ich die Mohnblumen zwischen den Leitplanken auf den Autobahnen. Ein Wiedersehen ist nicht ausgeschlossen. „Do widzenia Polska.“