Leichter Regen aber nicht zu kalt, stockfinster schon am frühen Abend. Ein Läufchen sollte schon mal wieder sein. Viel zu lange schon aufgeschoben. „Irgendwo muss doch diese Stirnlampe noch rumliegen.“

Gesucht und –oh Wunder – gefunden! Ist das ein Zeichen? Scheinbar, dann ich ziehe meine Trainingsklamotten an und gehe raus in die Novembernacht. Zu Anfang beleuchten Straßenlaternen noch die Laufstrecke. Als es parallel zum Kanal geht wird es schlagartig dunkel. Jeder Atemstoß vernebelt die Sicht weil der Hauch vom grellen Licht der Stirnlampe angestrahlt wird und dieses reflektiert.

Muss das denn sein denke ich? Das Laub unter meinen Füßen raschelt etwas, es ist naß und eher gefährlich. Die sich lichtenden Baumkronen schützen nur noch sporadisch vor dem Herbstregen, die Luft ist nicht kalt und riecht nach Wasser und Erde. Ich merke wie ich in meinen Laufrhythmus falle.

Meine Gedanken schweifen ab und ich denke während ich so dahintrabe an eine Radtour die ich im Sommer gemacht hatte. Da stieg ich spontan während des Urlaubs auf meinen Drahtesel und radelte an der Waldnaab, ein Fluss der sich quer durch die Oberpfalz in Bayern zieht und in die Donau bei Regensburg mündet, entlang. Die Rahmenbedingungen waren ideal. Wetter, Strecke und Sehenswürdigkeiten perfekt. Der „(Wald)Naabtalradweg“ ist ab Weiden noch ca 107 Kilometer lang und gut ausgeschildert. Mit einem Mountain oder Tourenbike ist er gut zu befahren.

Regen1

Wie ich so laufe lasse ich die Strecke Revue passieren und rufe mir in Erinnerung dass ich im Januar dieses Jahres schon einmal die Waldnaabquelle, von der „Silberhütte“ hoch oben im Oberpfälzer Wald aus, erwandert hatte. Und mit einer weiteren MTB-Radtour im Frühherbst entlang des Keplerpfads, (Wanderstrecke von der Silberhütte nach Weiden) den man mit dicken Waden und netten Freunden erklommen hatte, eigentlich fast durchgängig die Waldnaab vom Ursprung bis zur Quelle aus eigener Kraft „bezwungen“ hatte.

Ich habe noch das Flussdelta vor meinem geistigen Auge, dort wo sich die Naab (nach dem Zufluss versch. kleinerer Bäche heißt die Waldnaab nur noch Naab) mit der Donau bei Mariaort vereinigt, nachdem man den Wasserlauf verschiedene Landschaftsformen hindurch begleitet hat. Von dort waren es nur noch ein paar Kilometer bis zum Bahnhof in Regensburg wo ich in die Regionalbahn stieg und wieder in die Heimat in Richtung Norden fuhr.

Das Ziel auf meiner Laufstrecke kommt näher und ich durfte feststellen wie gut es tut sich zu bewegen. Der Kopf wird frei, schöne Erinnerungen kommen hoch oder so manches Problem stellt sich danach nicht mehr als solches dar. Das Wetter oder die Dunkelheit spielt dabei keine Rolle. Im Gegenteil, man ist aufgrund des eingeschränkten Sichtfelds nur auf sich fixiert. Die Bewegung an der frischen Luft setzt so viel positive Energie frei dass ich es bereut hätte vor dem grauen November zu kapitulieren.