Trotz unzureichender Vorbereitung zum Halbmarathon? Andreas hadert mit sich und probiert es.

Kürzlich habe ich ja von meinem bangen Gefühl, beim Halbmarathon in Berlin nicht gut genug vorbereit zu sein, geschrieben. Was soll ich sagen, es war –wieder mal- völlig unbegründet. Aber der Reihe nach.

Nachdem ich aufgrund von Krankheit und zwei Wochen Zwangspause vor dem Halbmarathon nichts machen konnte, war ich ziemlich nervös ob ich die Distanz von 21 Kilometern überhaupt durchhalte. Mit einem sanften Training eine Woche vor dem Wettkampf versuchte ich mich fit zu machen indem ich zwei kurze, entspannte Läufe absolvierte. Am letzten Tag vor dem Lauf habe ich dann doch noch mein letztes Training nach Plan abgespult. Nur eine gute halbe Stunde mit ein paar Steigerungen.

Es fühlte sich gut an. Was mich zusätzlich anspornte war eine gewisse Aggressivität die ich dabei verspürte. Das wertete ich als positives Signal das Körper und Geist bereit waren und sich der Herausforderung stellen wollten.

Was ziehe ich an?

Die Wetterprognose für Sonntag war gut. Am Samstagabend stellte sich dann eher die Kleiderwahl als Problem dar. Was legt man sich denn um den Leib wenn man schon früh um sieben aus dem Haus geht, die Zeitumstellung erfolgte und es dabei ja nach Winterzeit eigentlich erst sechs Uhr wäre? Gut das man vom Veranstalter einen Wechselbeutel bekommen hatte und darin wärmende Kleidung deponieren konnte.

Nach der Anfahrt mit U- und S-Bahn kam ich ziemlich zeitig in den Startbereich. Genug Zeit um die Lage zu sondieren und sich zu orientieren. Ich war froh das ich mein Thermolaufshirt gegen ein, in weiser Voraussicht, eingepacktes T-Shirt tauschen konnte. Denn die Frühlingssonne wärmte den Bereich in der Karl-Marx-Allee schon langsam auf.

Falscher Startblock? Gute Wahl!

Die Zeit schritt voran und deshalb hieß es noch kurz anstellen an den Mobiltoiletten um letzten Ballast „abzuwerfen“. Auf der Suche nach meinem Startblock habe ich dann den mir vom Veranstalter zugeteilten wohl irgendwie verpasst (*hüstel*) so dass ich mich etwas weiter vorne eingeordnet habe. Im Nachhinein die richtige Wahl.

Bis zum Start verging die Zeit wie im Flug. Schon setzte sich der Tross der unzähligen Läufer in Bewegung. Und es ging gleich gut ab. Meine mir gesetzte Zeit und Renneinteilung bin ich dabei zwar etwas schnell angegangen aber nach ein paar Metern wollte ich mich zügeln. Mein Ziel war den Halbmarathon unter zwei Stunden zu laufen und ich hatte mir in meinem Kopf bereits einen Plan zu Recht gelegt.

Ich höre nichts, sehe aber dafür umso mehr.

Ich fühlte mich pudelwohl von Anfang an, so dass ich das Tempo der Gruppe einfach mal mitgegangen bin. Also neuer Plan: „Lauf einfach mal mit!“ Kein schlechter Plan wie ich feststellte. Bis Kilometer zehn lief es super. Dann hörte ich mal kurz in mich rein, hörte aber nichts Verdächtiges. Berlin scheint mir zu liegen. Schöne Strecke. Sightseeing inklusive.

Vom Alexanderplatz führte der Weg über die Straße „Unter den Linden“ durch das Brandenburger Tor. Reichstag, Siegessäule vorbei in Richtung Schloss Charlottenburg. Von dort in Richtung „Ku’damm“, danach über das Schöneberger Ufer, Potsdamer Platz und Wilhelmstraße. Am Bundesfinanzministerium lief ich etwas schneller vorbei. Von dort ging es dann durch die Kochstraße auf die Friedrichstraße, am „Checkpoint Charlie“ vorbei auf die Leipziger Straße und auf der B1 zurück zur Karl-Marx-Allee.

Geht doch!

Das Ziel rückte in greifbare Nähe. Am Schluß hatte ich beim Überqueren der Ziellinie 1:56 Std. auf meiner Uhr. Ich war „stolz wie Oskar“ und um die Erkenntnis reicher das man sich nicht verrückt machen darf und eine spontane Planänderung nicht zwangsläufig negativ ist.