Das verbindet man eher mit negativen Empfindungen wie Smog, rauchenden Schloten oder schlechter Sicht. Und das auch noch im November. Ja, Pfui!

Das muss jedoch nicht immer so sein…

…Denn in höheren Lagen kann es dagegen durchaus Sonnenschein geben und man kann bei milden Temperaturen auf die Nebeldecke unter sich blicken. Was bietet sich dafür besser an als bei einer Wanderung im Spätherbst, genau dieser Wetterlage auf den Grund zu gehen.

Nach knapp anderthalb Stunden Fahrt von Weiden in der Oberpfalz mit dem Auto ist das Ziel schon in Sicht. Hin und wieder, wenn sich die Nebelfetzen denn mal lichten. Das Ziel ist in diesem Fall der „Osser“. Ein Berg im Bayerischen Wald. Knapp 1300 Meter hoch, wild und archaisch, rau und trotzdem gut erschlossen.

Für den Start meiner Wanderung habe ich mir den Wanderparkplatz „Sattel“ auserkoren. Dieser liegt knapp unter der 1000 Höhenmeter Marke und die Distanz, hoch zur Osserhütte (ab November geschlossen), beträgt gerade mal eine Stunde Gehzeit bei einer gemächlichen Gangart. Von Lam aus ist dieser Parkplatz mit dem Auto gut anzufahren.

Schon beim Aussteigen merkte man die milden Temperaturen. Unten im Tal waren es vier Grad und hier um die vierzehn. Kurz überlegt, der Anorak bleibt im Auto, zwei Lagen aus Unterhemd und Thermoshirt müssen reichen, Wechselkleidung sowie eine kleine Vesper und was zu trinken sind im Rucksack. Der Weg zur Hütte führt schnurstracks auf gut erschlossenen, aber etwas steilen Pfaden hinauf.

Wetter1

Schon bald nach Start der Wanderung komme ich aus dem Wald und die Sonne wärmt noch zusätzlich. Der erste Schnee der vor ein paar Tagen gefallen war liegt behäbig in schattigen Winkeln. Bei den ersten Lichtungen sieht man die Pracht so einer Wetterlage. Man meint auf einem großen Federbett zu stehen. Unter einem dichte Wolken, über dir nur die wärmende Sonne und fast unendlicher Weitblick.

Die Hütte ist mit etwas Trittfestigkeit zu erreichen. Sie ist zwar geschlossen, trotzdem finden sich einige Wanderer ein, welche den Spätsommer auch noch einmal spüren wollen. Nur ein paar Meter neben der Hütte und dem Wanderweg führt die Grenze zur Tschechischen Republik entlang, weswegen hier auch buntes Stimmengewirr des Wandervolks die Stille bereichert. Bis vor ein paar Jahren verlief hier noch der eiserne Vorhang. Gut dass das Geschichte ist.

Vom Gipfel des Osser führt der Blick über Süden, wo man die Alpen am Horizont erkennen kann, nach Westen zum kleinen Ossergipfel, der zirka 30 Höhenmeter tiefer liegt. Das ist das nächste Ziel. Um diesen zu erreichen ist es allerdings ratsam sich seiner Schritte bewusst zu sein. Auf dem ca. 45-minütigen Weg durch den Wald warten glitschige Wurzeln und leichte Geröllhaufen die es zu durchwandern gilt.

Wetter2

Ein kleines Abenteuer stellte die Kletterpartie zum kleinen Ossergipfel dar. Schnee auf der Ostseite blieb von der Sonne verschont und veranlasst zu bedächtigen Schritten. Eine kleine Pause erschloss den Blick in den Lamer Winkel und auf die Osserwiese. Ein weiteres Ziel und Zwischenstopp auf der Wanderung.

Der Abstieg geht zügig vonstatten. Die Osserwiese ist in Sicht und schnell erreicht. Dort angekommen lädt das trockene Gras und die Sonne zu einer weiteren Pause im 180 Grad-Winkel ein.

Zwischenzeitlich haben sich Gleitschirmflieger eingefunden die von hier auf ihre luftige Reise gehen. Spannend ist es zu beobachten wie die Flieger den Wind prüfen, sich vorbereiten und anschließend, mit weit geöffnetem Schirm, sich dem Abhang zuwenden und von der warmen Thermik getragen, abfliegen.

Eine zeitlang kann man die bunten Schirme noch erkennen, doch die tief stehende Sonne mahnt zum Aufbruch.

Wetter3

Und so begibt man sich wieder in die graue, kühlen Untiefen eines Novembertages, der einem jedoch nichts mehr anhaben kann, da die Tanks mit wärmenden Sonnenstrahlen und positiver Energie wieder voll aufgeladen wurden.