„So jetzt gilt es! Ab sofort wird sich neben der stupiden bewegungsarmen Schreibtischarbeit etwas mehr um sich selbst gekümmert.“ So lautete zumindest mein Vorsatz vor längerer Zeit, neben Familie und Beruf, sportlich etwas aktiv zu werden.

Mit dieser Idee ging ich dann schon eine zeitlang schwanger. Was könnte es denn sein? Radfahren? Okay, aber diese Stunde am Sonntagnachmittag alleine bringt mich ja auch nicht weiter. Laufen? Das wäre doch was! Relativ wenig Aufwand, zeitlich flexibel und ziemlich wetterunabhängig dachte ich mir. Oder doch Schwimmen? Wie gesagt. Alles Sportarten auf die ich ziemlich Lust hatte, aber wann und vor allem wie fange ich an?

Und mit dieser Frage „wie und vor allem womit fange ich an?“ begann schon die erste Auseinandersetzung mit meinem „Schweinehund“. Denn sobald ich mich aufmachte etwas zu tun war er an meiner Seite um mich mit so kleinen pieksigen Fragen ins Wanken zu bringen. Fragen wie zum Beispiel: „Willst du wirklich bei dem Wetter raus? Es dämmert und kühl ist es auch. Bleib bei mir auf dem Sofa. Hier ist es warm und gemütlich.“ Mit einem Blick aus dem Fenster gab ich „ihm“ Recht und blieb dann doch lieber auf dem kuscheligen Sofa zu Hause. Mit dem Ergebnis mich, am Abend als ich zu Bett ging, doch zu ärgern weil ich auf diesen „Schweinehund“ hörte und er die Oberhand bekam.

„Er“ oder ich?

Das wiederum störte diesen miesen Gesellen nicht, da er sich für heute bereits verabschiedet hatte. „Aber morgen“, so nahm ich es mir vor. „Morgen mach ich was, irgendwas!“ Gesagt getan. Der nächste Tag und wieder versuchte mich dieser Schweinhund an meinem Vorhaben zu hindern. Ich wollte mich aber nicht einschüchtern lassen und suchte meine Laufschuhe. Die hatte ich mir vor einem Monat gekauft und diese mit meinem Schweinhund immer wieder betrachtet und in der Wohnung angezogen. Sie sahen toll aus und passten gut am Fuß. Jetzt zog ich diese an und wollte mit ihnen das erste mal vor die Haustür.

Gut, der Himmel war grau, es war März und noch immer kalt. Recht hatte er schon der Schweinehund. Wenn ich nun krank würde? War da nicht sowieso immer so ein leichtes Kratzen im Hals? „Stop!“ sagte ich zu mir und dieser inneren Stimme und lief einfach mal los. Ich dachte dabei an den Film „Forrest Gump“ in dem dieser auch einfach losgelaufen ist. Und was soll ich sagen, die ersten Meter waren ein Traum. Ich fühlte mich leicht und war froh als ich etwas Strecke machte. „Ich lief weil ich Lust hatte zu Laufen“ so sagte doch der Protagonist in diesem Film. Und da sah das auch so einfach aus. Tolle Musik, tolles Wetter, tolle Leute, noch tollere Landschaft usw.

Irgendwie wollte sich dieses Hochgefühl wie es in dem Film vermittelt wurde bei mir aber dann nicht so richtig einstellen. Ich hatte wohl den klassischen Anfängerfehler gemacht und war einfach zu schnell losgelaufen. Nach 800 Metern hatte ich das Gefühl zu hyperventilieren. Okay, Tempo rausnehmen. Am besten mal ein paar Meter gehen oder noch besser einfach mal stehen bleiben – und gleich wieder umkehren.

And the winner is…

Da war er wieder, der Schweinehund. Er lies sich nicht so leicht abschütteln. „Dieses Vieh kann ganz schön zäh“ sein dachte ich mir und wollte mich schon beinahe fügen. Doch ich kam wieder zu Atem und langsam bewegten sich meine Beine wieder nach vorne. Langsamer zwar, es kam wohl eher einem etwas schnelleren Spaziergang gleich, aber ich machte weiter. Die innere Stimme die mich zum Aufgeben bringen wollte verstummte wieder denn ich fand einen optimalen Laufrhythmus. Nebenher konnte sogar noch etwas die Landschaft genossen werden die langsam aber beständig ihr Winterkleid ablegte.

Nach einer knappen halben Stunde und vielleicht drei oder vier „gelaufenen“ Kilometern war ich, zwar abgekämpft aber froh den ersten Schritt getan zu haben, wieder zu Hause und glücklich über den Sieg gegen meinen Schweinehund. Das noch viele Scharmützel dieser Art folgen sollten war mir damals noch nicht bewusst. Aber bis zu meinem ersten Marathon waren ja noch ein paar Jahre hin.