Andreas stellt sich der Herausforderung eines 24-Stunden-Fahrrad-Rennens.

24 Stunden in Etappen auf dem Mountainbike, 24 Stunden in Bereitschaft, 24 Stunden mit einer kurzen Schlafpause, 24 Stunden treten, schwitzen, lenken, 24 Stunden aufgedreht. Eine Mischung aus Festival und hohem sportlichen Anspruch. Das sind die 24 Stunden von München.

In der kürzesten Nacht des Jahres fand dieses Jahr das Mountainbike Rennen im Olympiapark in München statt. Zahlreiche Mannschaften aus Zweier-, Vierer- und Achterteams, aber auch viele Einzelfahrer/-innen, stellten sich der Herausforderung mit dem Mountainbike einen anspruchsvollen Kurs im Olympiapark zu fahren. Mit einem Team aus acht Leuten war auch ich dabei.

Am Freitag erfolgte die Anreise und der Aufbau des Fahrerlagers, bestehend aus mehreren Pavillons und zwei Kleinbussen. Direkt auf dem Umlauf des Stadions bezogen wir unser Quartier, das imposante Zeltdach des Stadions vor Augen. Die Fahrräder wurden noch einmal gecheckt und ein Teil der Strecke, soweit freigegeben, inspiziert.

24Stunden_im_Sattel

“Dieser Weg wird kein Leichter sein”

Die Wechselzone befand sich auf dem Coubertainplatz, eingerahmt von Stadion, Olympiahalle und Schwimmhalle. Von dort ging es über eine extra, wegen Public Viewing Deutschland-Ghana, aufgebaute Brücke die man überfahren musste. Danach führte die Strecke rund um die Schwimmhalle und dahinter wieder hoch. Von dort über “Kamelhöcker” wieder runter zum See, den man umfahren musste und dann in einen Anstieg mündete. Oben angekommen ging es auf einem schmalen Single Trail durch den Wald und eine fiese, holprige Abfahrt erwartete den Radler.

Wenn es runter geht, geht’s natürlich auch wieder hoch. Nämlich auf den Olympiaberg und von dort über diverse Wege, eine Treppe und Schotterpiste wieder runter, nur um nach ein paar Metern wieder eine Steigung fahren zu dürfen. Einen weiteren kurzen, knackigen Anstieg durfte man im Anschluss gleich wieder bezwingen. Gut wenn man den Schwung aus der Abfahrt davor noch mitgenommen hat. Danach führte die Strecke vorbei am Tollwood-Festivalgelände, weiter über eine hügelige Crosspassage, damit man über das Olympiastadion wieder in die Wechselzone kam.

“High Noon” auf zwei Rädern

Als “Teamchef” oblag es mir die Einführungsrunde zu fahren. Mit unzähligen Mountainbike begeisterten Menschen ging es mit dem Startschuss um Punkt 12 Uhr am Samstag auf die Strecke und das Rennen begann. Die Spitzenfahrer zogen an einem vorbei und selbst machte man den einen oder anderen Platz gut. Ich fahre ja lieber bergauf, schnelle, kurvige Schotterabfahrten liegen mir persönlich nicht so sehr.

Nach der ersten Staffelübergabe gab es eine Pause von gut zwei Stunden in der die anderen Fahrer des Teams ran mussten. In dieser konnte man sich kurz erholen und, da unser Fahrerlager direkt an der Strecke lag, die anderen Radler beobachten und am Rennen passiv teilnehmen. So lange einem die Pause bei der Rückkehr erschien, so kurz war sie aber tatsächlich. Musste man doch nach dem Abschwitzen und Nahrungsaufnahme schon bald wieder selbst ran. Wenn man Glück hatte waren die feuchten Klamotten bis zum nächsten Wechsel wieder trocken.

24Stunden_im_Sattel_1

“Gute Nacht Freunde”

So ging es Runde um Runde. Die Großveranstaltung anlässlich der WM trug auch noch zur Ablenkung bei und die Nacht brach herein. Schon im Vorfeld wurden eifrig die Beleuchtungssysteme montiert und getestet sowie alle Akkus geladen. Sollte eigentlich nichts mehr schief gehen. So ging es hinaus in die Nacht. Die moderne LED Technik bietet einen überschaubaren Lichtkegel. Doch sollte man nicht vergessen den Akku neben dem Standard-Klettband vielleicht trotzdem noch zusätzlich mit Klebeband zu sichern. Dann passiert es vielleicht nicht so leicht, dass sich der schwere Energielieferant bei einer Bergabfahrt im Single Trail aus der Halterung schüttelt und sich im Reifen verheddert, so wie es mir ergangen ist.

Da ich im Vorfeld noch die Nachtfahrten als “meditativ” bezeichnete war dies wohl die Rache, von wem auch immer, das ich hier aus meiner Sorglosigkeit gerissen wurde. In einer stockfinsteren Ecke der Strecke durfte ich das Kabelgewirr auseinanderdröseln, das aufgescheuerte Kabel wieder mit dem Licht verbinden und dankbar für die Erleuchtung sein, dass sich das Lichtsystem nicht komplett verabschiedet hat. Gegen halb eins ging es auf das Feldbett für zweieinhalb unruhige Stunden, um sich danach schlaftrunken auf den nächsten Einsatz vorzubereiten.

Gegen vier Uhr kam dann das Morgengrauen schon durch und ich war wieder auf der Piste. Mit einer notdürftig reparierten Beleuchtung, die sich nach drei Kilometern dann endgültig verabschiedete. Halb im Blindflug hielt ich mich hinter einem Fahrer mit gutem Licht den ich als Lotsen auserkoren hatte. Schließlich nahm auch diese Runde ihr Ende und in dem Wissen, dass ich ab jetzt kein Licht mehr brauche, war eine weitere Runde auf unserem Konto.

“Morgens um sieben ist die Welt noch (wieder) in Ordnung”

Die Sonne begleitete mich bei meiner nächsten Runde früh morgens und die Frische des Neuen Tags vertrieb die Müdigkeit und die Lebensgeister wurden wieder geweckt. Das gesamte Team war plötzlich wieder aufgedreht und motiviert. Das Ziel, nämlich die 12 Uhr Marke, war auch schon in Sicht. Alle, insbesondere ich, fuhren wieder stabile Zeiten und am Ende hatten wir insgesamt 70 Runden auf dem Konto. Mit unserer Platzierung (12. von 25 Teams) in unserer Wertungsklasse waren wir alle mehr als zufrieden.

Unseren Respekt hatten jedoch die Einzelfahrer, bei denen alleine der Sieger 75 Runden absolviert hat.

Video zum Rennen

Hier können Sie Andi und sein Team beim Rennen in Aktion sehen:

http://vimeo.com/99402965

Video von Jan Bräuer.