Also, da schaut man mal ein paar Wochen nicht ´rüber zu den Kolleginnen und Kollegen von „Aktiv in Bewegung“, und prompt ist dort der Wassersport ausgebrochen, pardon: die Aqua-Fitness. Und hach, wie verlockend das Wasser auf den Teaserfotos glitzert! Nein, keine Bange, ich verlasse jetzt nicht dauerhaft meine gemütliche „Gesund genießen“-Sparte, aber zumindest eine Runde möchte ich doch mitschwimmen bei den Wasserexperten. So als kleiner virtueller Vorgeschmack auf den Sommer, der ja hoffentlich auch dieses Jahr kommen wird, und den auch ich ja nicht ausschließlich im Garten verbringen muss. Diese Erinnerung kommt mir also gerade recht, um auch wieder den einen oder anderen Besuch im Schwimmbad einzuplanen.

Obwohl – Schwimmbad, das ist ja manchmal ein Problem. In der wunderschönen Stadt Lüneburg, in der ich glücklicherweise wohne, haben wir zwar ein „Spaßbad“ mit Salzsole und Therme und allem möglichen Luxus, aber in dem war ich noch nie. Erstens, weil die Eintrittspreise ebenso gesalzen sind wie das Wasser, zweitens, weil es natürlich auch gut besucht ist, und zwar mit Kind und Kegel. Ich weiß nicht, ob Sie mich da verstehen können, aber wenn ich ins Wasser gehe, möchte ich, ganz spießig, „meine Ruhe“, und nicht zwischen Kinderhorden und deren Wellengang im Zickzack kraulen müssen. Dafür müsste ich dann aber sehr früh ins Schwimmbad und relativ früh wieder ´raus, bevor die Horden einfallen – und dafür dann den Eintritt? Och nöö, nörgelt da die innere Stimme.   Gleich neben dem Luxusbadetempel liegt ein separates, normales Hallenbad, das wäre eine Alternative gewesen, aber: die Bahnen sind nur 25 Meter lang. Und morgens schwimmen dort die Schulklassen. Was zwar dank der Lehrkräfte geordneter abläuft, aber mir immer noch zuviel Betrieb ist. „Nur 25 Meter“, ja, das liest sich nach verwöhnt, und was Schwimmen, pardon: Aquafitness, angeht, bin ich das auch, nämlich vom Schwimmbad meiner Kindheit und Jugend. Freibad, Frischluft, 50-Meter-Bahnen, auf 26 Grad beheizt. Nichtschwimmerbecken nebendran, und wenn man die 50 Meter im Schwimmerbecken in die richtige Richtung schwimmt, schaut man dabei auf ein wunderschönes Stück Wald, das hinter den Startklötzen aufragt. Total idyllisch.

Genau dieses Bad fiel mir vorletztes Jahr wieder ein, als ich nach vielen trockenen Jahren plötzlich wieder eine anfallsartig auftretende Lust verspürte, mich im Wasser zu bewegen. Hatte ich doch ewig nicht dran gedacht! So ewig, dass ich mir überhaupt erst wieder einen Badeanzug anschaffen musste, weil der letzte ungefähr zwei Kleidergrößen her war.

Dieses quasi historische Schwimmbad wieder anzusteuern, war an sich gar kein Problem, denn meine Eltern wohnen immer noch an dem Ort, und ich besuche sie inzwischen regelmäßig, um nach dem Rechten zu sehen. Und so packte ich vor dem nächsten Besuch einfach den neuen Badeanzug und meinen Bademantel mit in die Reisetasche, belas mich im Internet, ob es das Schwimmbad überhaupt noch gäbe und wie jetzt die Öffnungszeiten wären, fuhr zu meinen Eltern und ging am nächsten Morgen zum ersten Mal seit Jahren – schwimmen.

Es war ein bisschen wie ein sportlicher Museumsbesuch, denn das Schwimmbad selber hat sich, zu meinem großen Entzücken, kaum verändert. Im Gegensatz zu mir, denn ich gehörte jetzt zu den älteren Semestern. Und die Ortsansässigen meines Alters kommen genau zu der Zeit, zu der ich dort auch anlangte, täglich ins Bad, um gemächlich ein paar Bahnen zu schwimmen und dann frisch in den Tag zu starten. Nach dem dritten Mal wird man im Wasser gegrüßt und gehört dazu. Und wenn man mal zufällig auf dieselbe Bahn geraten ist und sich auf der entgegenkommt, schwimmt man ein wenig zur Seite und lässt einander gravitätisch vorbei. Kein Lärmen, kein Gespritze und Gespringe. Die meisten der Vormittagsschwimmer sind Frauen, Brustschwimmerinnen alle, nur ab und zu verfällt einer der älteren Herren ins Kraulen, aber nur mit gebührendem Abstand und eigener freier Bahn. Sonst wird nämlich missbilligend geguckt, und das merkt man auch im Wasser. Ach, Sport kann ja so gemütlich sein!

Ja, genau so bin ich gern im Wasser, und ach, was hatte ich das vermisst! Nach ein paar Zügen weiß der Körper wieder, wie es geht,  gar kein Problem, und nach jeder Bahn möchte er noch eine weitere schwimmen. Die Sonne glitzert auf der Wasseroberfläche, man muss die Augen etwas zukneifen, wenn man in ihre Richtung schwimmt, und durch die Wimpern plieren, damit man nicht doch aus Versehen mit jemandem zusammenstößt. Und: man fühlt sich leicht, vom Wasser getragen, die Gelenke erholen sich spürbar vom alltäglichen Gewichtheben. Herrlich. So schwimme ich gleich beim ersten Mal wieder tausend Meter ohne Pause, ganz entspannt, und höre nur auf, weil meine Nieren sich melden und das Wasser jetzt langsam doch ein bisschen kühl finden. Und wenn Nieren sich zusammenziehen, entsteht ein Drang, dem zumindest ich nicht im Schwimmwasser nachgeben will… also ´raus, schnell den Bademantel an und auf Füßen, die sich bei den ersten Schritten auf festem Boden wie Flossen anfühlen, zu den Damentoiletten. Und dort mich ganz hektisch aus der nassen Pelle winden. Was sich fast wieder anfühlt wie mit vierzehn.

Das fällt mir also ein zum Thema Aquafitness, und wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch so ein „Schwimmbad Ihres Herzens“ und damit verbundene Erlebnisse und Erinnerungen haben, seien Sie herzlich eingeladen, die mit mir (und womöglich den anderen Lesern)zu teilen. Ich würde mich freuen!

Bis demnächst, und dann wieder bei „Gesund genießen“ und mit Rezept!